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RezensionRezensionen

Grenzen unserer Selbstgewissheit

Autor: Alexander Schramm

Uns Tieren auf zwei Beinen fällt es schwer, die Wirkung unseres Verhaltens auf die Natur zu begreifen. Wir unterschätzen die kognitiven Fähigkeit anderer Tiere – und offenbaren damit eine bemerkenswerte kognitive Dissonanz.

Grenzen unserer Selbstgewissheit
Uns Tieren auf zwei Beinen fällt es schwer, die Wirkung unseres Verhaltens auf die Natur zu begreifen. Wir unterschätzen die kognitiven Fähigkeit anderer Tiere – und offenbaren damit eine bemerkenswerte kognitive Dissonanz.
Autor
Alexander Schramm
22. August 2026
Lesezeit
1 Minute
Rubrik
Rezensionen

Diesen Konflikt untersucht Christine Webb in ihrem tiefgründigen Buch „Der arrogante Affe“. In zehn Kapiteln widmet sich die Primatologin unserem gestörten Naturverständnis und unseren fehlgeleiteten Gedanken und Gefühlen. Sie richtet ihren Blick nicht nur auf unsere Wahrnehmung der Fauna, sondern ebenso intensiv auf unseren Umgang mit den Mitmenschen. Nachvollziehbar belegt sie, wie stark unsere ichbezogene Sichtweise die Beziehungen zur Umwelt prägt. Auch die Wissenschaft wird nicht davon verschont. So zeigt Webb etwa am „Kluger-Hans-Effekt“, wie eine voreingenommene Studienleitung die Leistung von Probanden beeinflussen kann.

Hier kreuzen sich Annahmen zur Welt der Tiere, zur Natur mit einer Arroganz, die meint, unsere Vormachtstellung über die Natur diene der Forschung. Diese Haltung verfälscht die Erforschung des Bewusstseins und zieht eine Spirale von Fehlannahmen nach sich. Die Autorin erläutert das etwa bei Hunden. In olfaktorischen Studien zeigen sie ein „Ich-Bewusstsein“, das von unserer anthropozentrischen Sicht deutlich abweicht.

Dennoch wollen wir Tiere kontrollieren. Wir bewerten sie danach, wie nützlich und unterhaltsam sie sind. Dass diese vermeintliche Kontrolle an Grenzen stößt, zeigt Webb am Beispiel von Kraken: Nur weil wir etwas als „Organismus“ bezeichnen, heißt das nicht, dass es sich in unsere abstrakten Kategorien fügt.

Webb fordert eine Dekolonisierung des Denkens und bezieht sich explizit auf unseren Umgang mit unterworfenen Völkern. Es fehlt uns, so ihre These, an Verständnis für deren Lebensweisen. Wir könnten viel lernen von indigenen Völkern. Traditionelle Wissenschaft und Offenheit für Neues sollten Hand in Hand gehen, so Webb. Die Vorstellung, dass Evolution eine rein kompetitive und individualistische Geschichte sei, sei engstirnig.

Dieses Buch zeigt: Unsere Arroganz und Ignoranz führen in die Sackgasse. Lesen Sie es aufmerksam. Alexander Schramm

Christine Webb
Der arrogante Affe
Ullstein Verlag, 432 S., € 24,99
ISBN 978–3–550–20232–2

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