Das mittelalterliche Weltbild basierte auf dem der Antike. Geistliche Schreiber kopierten die Werke der griechischen und römischen Autoren, Gelehrte stellten daraus neue, auf die Interessen ihrer Leser zugeschnittene Kompendien zusammen, Kartographen setzten deren Aussagen ins Kartenbild um. Was die Antike von der Welt wusste, stand auf diese Weise mehr oder weniger auch dem Mittelalter zur Verfügung. Fast jedermann kannte Alexander den Großen und hatte vom Feldzug der Makedonen bis an die Ränder der Erde gehört. Indien stand seither für die Größe, den Reichtum und die Vielfalt des asiatischen Kontinents. Kaufleute, die auf den interkontinentalen Handelswegen (der sogenannten Seidenstraße) bis nach Zentralasien kamen, konnten das alles bestätigen.
Im Westen begrenzten die „Säulen des Herkules“ (die Meerenge von Gibraltar) das Wissen der Alten, und das Mittelalter brauchte lange, bis es die „Inseln der Glückseligen“ (die Kanarischen Inseln), auf denen bereits die Phönizier gewesen waren, wiederentdeckte. Auch im Süden, in Afrika, kam es nicht über die Kenntnisse der Antike hinaus. Nach wie vor rätselte man über die Quellen des Nils und hatte keinen Schimmer von den Ausmaßen des Kontinents, von seinem Inneren ganz zu schweigen. Nur vom Norden wusste man mehr. Denn während römische Autoren wie Tacitus oder der ältere Plinius allenfalls von einer fernen mythischen Insel namens Thule gehört hatten, für den Raum jenseits von Rhein und Donau jedoch wenig Interesse aufbrachten, hatten die Länder Mittel- und Ostmitteleuropas, schließlich auch die skandinavische Halbinsel Eingang in das mittelalterliche Weltbild gefunden. Spätestens die Raubzüge der Wikinger, dann deren Christianisierung, hatten den Norden Europas mit dem Süden verbunden. Von Russland dagegen war immer noch sehr wenig bekannt. …
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 07/2014.
Prof. Dr. Folker Reichert




