Auf knapp 30 Seiten handelt sie den Aufstieg Gorbatschows ab, um sich sodann auf sein politisches Wirken während seiner sechsjährigen Amtszeit im Kreml zu konzentrieren. Kenntnisreich schildert Dalos ereignisgeschichtliche Hintergründe und politische Intrigenspiele. Er geht auf Gorbatschows friedenspolitische Initiativen genauso ein wie auf seine Reformpolitik, die auf eine überfällige, von den greisen Parteiführern zuvor verschleppte Modernisierung der „Sowjetmoderne“ zielte.
Anschaulich erläutert Dalos die „vergeigte Ouvertüre“ der Anti-Alkohol-Kampagne, in deren Verlauf Gorbatschow im Volksmund vom General- zum „Mineralsekretär“ wurde. Im Buch wird zudem sowohl näher auf die politischen Folgen der Nuklearkatastrophe in Tschernobyl eingegangen als auch sachkundig ausgeführt, für welche Irritationen Gorbatschow mit seiner Perestroika- und Glasnost-Politik in den sozialistischen Bruderländern sorgte.
Die Zerfallsgeschichte der Sowjetunion schreibt Dalos als Scheitern eines Staatsmannes, der den gesellschaftlichen Fortschritt vorantreiben wollte, dabei jedoch zunehmend an Gestaltungskraft und Rückhalt verlor, um schließlich zum Getriebenen seiner eigenen Politik zu werden. Geschickt bedient sich Dalos der narrativen Spannung des Dramas, um zu zeigen, wie Gorbatschow als überzeugter Parteigänger des Kommunismus, mit den Konsequenzen seines politischen Wirkens konfrontiert, nolens volens zum Totengräber des osteuropäischen Staatssozialismus wurde.
In seinem neuesten Buch macht Dalos komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge der Perestroika-Jahre verständlich. Er präsentiert eine überzeugende Würdigung der historischen Leistung Gorbatschows, der mit seinem Reformsozialismus ein politisches Insolvenzverfahren einleitete und damit der Welt des Kalten Krieges ein letztes selbstmörderisches Furioso ersparte.
Rezension: Prof. Dr. Klaus Gestwa




