von THORSTEN DAMBECK
Wer im Urlaub die Relikte eines Urkontinents besichtigen will, ist in Südafrika am richtigen Ort. Für mehr als 500 Millionen Jahre dominierte nämlich Gondwana die südliche Halbkugel der Erde. Das heutige Afrika gehörte auch dazu. Außerdem umfasste der Groß- oder Megakontinent die Landmassen von Südamerika, Indien und Australien, die sich damals alle um die Antarktis gruppierten. Rund 130 Millionen Jahre lang war Gondwana auch ein Teil des vergangenen Superkontinents Pangäa. Doch Gondwanas Tage währten nicht ewig. Vor rund 120 Millionen Jahren begann der Kontinent zu zerbrechen. Was blieb, war die Große Randstufe: Diese markante Geländeform zieht sich über rund 6.000 Kilometer die gesamte Küste des südlichen Afrika entlang und grenzt das Landesinnere von den Ebenen an den Küsten des Atlantiks und des Indischen Ozeans ab. Stellenweise steigt das Gelände unvermittelt um 3.000 Meter an.
Landeinwärts erstreckt sich ein flaches Hochplateau mit einer durchschnittlichen Höhe von rund 1.000 Metern, eines der dominanten Geländeformen Afrikas. Dort befindet sich ein Kraton. Solche Kerngebiete der Kontinente sind oft mehrere Milliarden Jahre alt. Sie gibt es auf allen Kontinenten. Oft werden sie von steilen Geländeerhebungen wie der Großen Randstufe begrenzt, so auch in Südamerika und Indien. Bisher nahm man an, dass sich Kratone und Randstufen unabhängig voneinander entwickeln, denn sie liegen oft weit auseinander, manchmal sogar mehrere Tausend Kilometer. Sind sie deshalb auch ursächlich getrennte Phänomene?
Hochebenen werden gehoben
Dieser Frage wollte das internationale Forscherteam um Tom Gernon von der University of Southampton buchstäblich auf den Grund gehen. Ihre Studie erschien im vergangenen Sommer im Fachmagazin nature. Darin untersuchen die Forscher die Auswirkungen tektonischer Kräfte im Untergrund auf die Entwicklung der Landschaften an der Erdoberfläche – und dies über einen Zeitraum von einigen Dutzend Millionen Jahren.
„Seit langem vermutet man, dass steile, kilometerhohe Strukturen entstehen, wenn Kontinente auseinanderbrechen“, erläutert Gernon. Viel schwieriger sei es allerdings zu erklären, warum sich die weit entfernten inneren Teile der Kontinente heben. Auf das südliche Afrika übertragen: Ist die Zerfall Gondwanas auch für das Hochplateau verantwortlich?
Die neue Studie baut auf einer 2023 publizierten Arbeit auf, welche die Verbindung zwischen dem Auftreten von Diamanten und dem Zerbrechen von Kontinenten zieht. Damals hatten Gernon und seine Kollegen bereits herausgefunden, dass bei der kontinentalen Fragmentierung die Dehnung der Erdkruste zu Bewegungen im Erdmantel führt. Diese setzt einen gewaltigen Vulkanismus in Gang, der wiederum Diamanten zur Oberfläche befördert. Im Untergrund, genauer gesagt an der Unterseite der Erdplatten, bilden sich dabei Strömungen, welche die Platten schwächen und so den Eruptionen zum Durchbruch verhelfen.





