von MARTIN ANGLER
Die Goldmedaille, die die Heidelberger Weitspringerin Malaika Mihambo stolz in die Kamera hält, kommt aus dem Müll. So wie bei den anderen 4999 Medaillen der Olympischen Sommerspiele 2020 stammt das Edelmetall aus Elektroschrott. Das Olympia-Komitee in Tokio hatte zuvor japanische Sportfans gebeten, ihre ausrangierten Smartphones, Kameras und Laptops zu spenden. Die wurden sortiert, demontiert und eingeschmolzen. So kamen aus über sechs Millionen Schrott-Handys 30 Kilogramm Gold, 4,1 Tonnen Silber und 2,7 Tonnen Bronze heraus.
Ein einzelnes Smartphone enthält zwar nur 36 Milligramm Gold, 90 Milligramm Silber und einige Dutzend Gramm Eisen und Silizium, wie Wissenschaftler der britischen Plymouth University herausfanden. Sie hatten ein Smartphone zusammen mit einer oxidierenden Chemikalie in einem Haushaltsmixer pulverisiert. Anschließend hatten sie das Pulver geschmolzen, in schwacher Säure gelöst und die Lösung im Massenspektrometer untersucht.
Doch auch wenn der reine Metallwert pro Smartphone nur etwas mehr als einen Euro beträgt, so ist das Potenzial der urbanen Elektronik-Rohstoffmine enorm groß. Denn allein 2022 quittierten mehr als 5,3 Milliarden Smartphones ihren Dienst, wie das Ausbildungs- und Forschungsinstitut der UN herausfand.
Allerdings: Nur wenige der Smartphones landen bei Recycling-Unternehmen. So beeindruckend die Olympia-Sammelaktion von Tokio erscheint, die recycelten Geräte haben nur einen Bruchteil der jährlich in Japan ausrangierten Elektronik ausgemacht. Das liegt auch daran, dass Menschen ihre ungenutzte und defekte Elektronik lieber zuhause horten, als sie ins Recycling zu geben. So besitzt der durchschnittliche EU-Haushalt 74 elektronische Gräte, 13 davon stehen ungenutzt oder defekt herum, vor allem Kopfhörer und Fernbedienungen, aber auch Smartphones.
Viele alte Handys verstauben
Forscherinnen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln rechnen in einer Studie vor, dass in Deutschland 210 Millionen dieser Schubladen-Handys brachliegen. Die darin befindlichen Rohstoffe wären nicht nur rund 240 Millionen Euro wert, sondern würden auch den deutschen Materialbedarf für die Herstellung von Smartphones der nächsten zehn Jahre decken.
Hersteller haben den Wert aussortierter Smartphones längst erkannt. So verfügt Apple über eine Demontagestraße. Dort entfernt zuerst Roboter Daisy Akku, Glas und Platinen der ausgemusterten iPhones und schreddert danach das Aluminiumgehäuse. Ein weiterer Roboter entfernt die Vibrationseinheit, die Seltene Erden enthält. Alle Bestandteile werden sauber getrennt und landen dann bei Recyclern, die das Schrott-Aluminium einschmelzen und Gold, Kupfer sowie Seltene Erden chemisch aus den Chips extrahieren. Die recycelten Rohstoffe dienen zur Fertigung neuer Smartphones.





