Wer an krankhaftem Übergewicht leidet, hat es oft schwer, abzunehmen. Abhilfe versprechen Medikamente, die unter Handelsnamen wie Ozempic und Wegovy bekannt sind. Sie binden an den gleichen Rezeptor wie das körpereigene Sättigungshormon GLP-1 und werden deshalb wissenschaftlich als GLP-1-Rezeptor-Agonisten bezeichnet. Da diese Medikamente wirksam den Blutzuckerspiegel senken, wurden sie ursprünglich zur Behandlung von Diabetes entwickelt und zugelassen. Aufgrund ihrer appetitzügelnden Wirkung gewinnen sie aber auch als Abnehmspritzen für die Behandlung von Adipositas an Bedeutung.
Gesundheitsdaten von US-Veteranen
„Obwohl GLP-1-Agonisten zunehmend zur Behandlung von Diabetes und Adipositas eingesetzt werden, wurden ihre Wirksamkeit und ihre Risiken noch nicht systematisch anhand einer umfassenden Reihe möglicher gesundheitlicher Folgen bewertet“, erklärt ein Team um Yan Xie vom Veterans Affairs St. Louis Health Care System in den USA. Zwar haben bereits zahlreiche Studien den appetitzügelnden und das Abnehmen fördernden Effekt untersucht und auf die vielfältigen Auswirkungen der Medikamente im gesamten Körper hingewiesen, ein systematischer Überblick fehlte allerdings bislang.
Um herauszufinden, mit welchen Wirkungen und Nebenwirkungen die Abnehmspritzen assoziiert sind, werteten Xie und sein Team Patienteninformationen aus den Datenbanken des US Department of Veterans Affairs aus. Diese enthalten Informationen über den Gesundheitszustand und medizinische Behandlungen von US-Veteranen. Für die Auswertung verglich das Forschungsteam 215.970 Personen, die aufgrund von Diabetes mit GLP-1-Agonisten behandelt wurden, mit verschiedenen Kontrollgruppen, die andere Diabetes-Medikamente einnahmen. Auf dieser Basis bestimmten Xie und seine Kollegen den Zusammenhang zwischen GLP-1-Agonisten und 175 körperlichen und geistigen gesundheitlichen Folgen.
Vor- und Nachteile
Das Ergebnis: „Die Einnahme von GLP-1-Agonisten war mit einem geringeren Risiko für Substanzkonsum und psychotische Störungen, Krampfanfälle, neurokognitive Störungen einschließlich Alzheimer-Krankheit und Demenz, Gerinnungsstörungen, Herz-Kreislauf- und Stoffwechsel-Störungen, Infektionskrankheiten und verschiedene Atemwegserkrankungen verbunden“, berichtet das Team. Insgesamt fanden die Forschenden Hinweise darauf, dass die Nutzung der Medikamente mit einer Verringerung des Risikos für 42 der 175 erhobenen Krankheiten einherging.
Für 19 gesundheitliche Probleme stellten die Forschenden dagegen bei den mit GLP-1-Agonisten behandelten Personen ein erhöhtes Risiko fest. Dazu zählen unter anderem Magen-Darm-Probleme wie Übelkeit, Durchfall und Verstopfung, außerdem Arthritis, sowie Entzündungen der Nieren und der Bauchspeicheldrüse. Einige dieser Probleme waren schon aus früheren Studien bekannt, andere sind durch die aktuelle Studie neu zutage getreten. Beispielsweise wurde den Wirkstoffen bisher eher eine positive Wirkung auf die Nieren zugeschrieben.





