„Gliazellen?”, blickte ich meine Kollegin Judith Rauch fragend an, als sie in einer Redaktionskonferenz über den Themenvorschlag des freien Wissenschaftsjournalisten Ulrich Kraft berichtete. Nach einer ausführlichen Diskussion konzipierten wir einen Fünf-Seiten-Beitrag. Mit der tiefer gehenden Recherche wurde die Dimension dieses Themas immer größer. Denn nach neuesten Erkenntnissen spielen Gliazellen eine tragende Rolle bei der neurona-len Kommunika- tion. Mehr noch: Sie fungieren als Stammzellen unserer Neuronen. Und so beschlossen wir einen zweiten Artikel – über Magdalena Götz, eine der Entdeckerinnen der wahren Rolle der Gliazellen. Schließlich verschoben wir sogar die ursprünglich geplante Titelgeschichte über das Gehirn auf eine spätere Ausgabe und machten Platz für die „Revolution in der Hirnforschung”.
Das neue Bild der Gliazellen ist ein hervorragendes Beispiel für den Fortschritt in der Wissenschaft: bisherige Forschungsergebnisse kritisch betrachten, sie mit neuen Messverfahren zum wiederholten Male überprüfen, abweichende Resultate akribisch analysieren, um sie dann in ein modifiziertes Gedankengebäude einzufügen.
Auf das Thema aufmerksam geworden ist unser Autor Ulrich Kraft (39) durch einen Beitrag, den er für die „Max-Planck-Forschung” schrieb. Für bild der wissenschaft machte er weitere umfangreiche Recherchen. Wesentliche Informationen holte er sich durch persönliche Gespräche mit Wissenschaftlern und nicht nur – wie es immer mehr einreißt – durch Surfen im Internet. Die befragten Wissenschaftler nahmen sich für Kraft stets jene Zeit, die nötig ist, um ein komplexes Thema zu erklären. Zeit genommen für diese Titelgeschichte hat sich auch Frank Kirchhoff vom Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin in Göttingen, der uns bei der Bebilderung uneitel unterstützte. Unten das Ergebnis einer Zwei-Photonen-Lasermikroskopie.
Auf den persönlichen Kontakt zu Forschern würde der studierte Mediziner Ulrich Kraft nie verzichten. Gerne verlässt er sein Büro, um vor Ort zu recherchieren – auch wenn sich das oft bloß ansatzweise im Honorar niederschlägt. „Nur so kann man guten Journalismus machen”, sagt Kraft. Mir gefällt diese Einstellung. Den nächsten Auftrag für bild der wissenschaft hat er bereits in der Tasche.





