Ich acht aber, es sey die ursach, ds wir Teutschen bißhieher in rosen gesessen, die andern aber mitten im blut, und ist also an inen erfüllt der spruch: per multas tribulationes et angustias oportet vos intrare in regnum coelorum [Durch viele Drangsale und Ängste müsst ihr in das himmlische Reich eintreten, Apostelgeschichte 14, 22]“ – so schrieb am 13. Januar 1562 Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz an seinen Schwager, den von Karl V. im Schmalkaldischen Krieg hart gedemütigten einstigen Führer der protestantischen Fürsten, den Herzog Johann Friedrich den Mittleren von Sachsen. Mit diesen markigen Worten wollte er den Verwandten zur Hilfe für die in Frankreich bedrängten Protestanten („Hugenotten“) kurz vor Ausbruch der dortigen blutigen Religionskriege bewegen.
Wenige Wochen später setzte Friedrich III. in Heidelberg die Kommission zur Redaktion der Lehr- und Glaubensartikel der Kurpfälzer Kirchen ein, aus der im Januar 1563 der „Heidelberger Katechismus“ hervorging, die weltweit meistverbreitete und -nachgedruckte reformierte Konfessionsschrift überhaupt – noch vor den Genfer Texten von Johannes Calvin selbst. Zum Entstehungszeitpunkt des Katechismus 1562/63 waren die maßgeblichen Akteure in Heidelberg stets sowohl mit Außen- als auch mit Innenpolitik beschäftigt; nicht nur der Kurfürst, auch so einflussreiche Politiker wie Thomas Erastus oder Christoph Ehem und die Theologen Pierre Bouquin, Caspar Olevianus sowie Zacharias Ursinus waren stets in beiden Sphären tätig.
Hunderttausende von Christen, die den „Heidelberger Katechismus“ heute noch als Grundlage der eigenen Glaubensüberzeugung anerkennen, sehen vermutlich nicht mehr die historische Bedeutung, die der Text hatte: Der „Heidelberger Katechismus“ entstand in einem Kontext explosiver Glaubenskonflikte, er war mit Blick auf den Ausbruch der Religionskriege im Nachbarland Frankreich sogar ein aus dem Krieg heraus geborenes Dokument. …
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 09/2013.
Prof. Dr. Cornel Zwierlein




