Der Wostoksee, ein von 4000 Metern Eis bedecktes Gewässer in der Antarktis, enthält womöglich hydrothermale Quellen. Das berichteten mehrere Forscher auf der Frühjahrstagung der American Geophysical Union in Washington.
Die aufregendste Neuigkeit hielt der russische Forscher Sergej Bulat vom Russischen Institut für Nuklearphysik in St. Petersburg bereit. Zusammen mit Kollegen hatte Bulat die unterste Eisschicht eines 3500 Meter langen Bohrkerns untersucht, den russische Forscher von der Oberfläche bis kurz über die Seeoberfläche gezogen hatten. Am Ende des Bohrkerns befindet sich vermutlich wieder gefrorenes Seewasser.
In diesem Eis entdeckten Bulat und Kollegen drei Mikrobenarten, die sie für echte Bewohner des Wostoksees halten. Alle drei Mikroorganismen gehören zu den thermophilen Bakterien, berichtete Bulat in seinem Vortrag. Eine der Mikrobenarten ist aus heißen Quellen bekannt und lebt davon, Wasserstoff mit Hilfe von Kohlendioxid zu oxidieren. Sonnenlicht braucht die Mikrobe nicht, sie bezieht ihre Energie aus dem Wasserstoff.
Die beiden anderen Mikroben konnten Bulat und seine Kollegen nicht identifizieren. Ihr Erbmaterial ähnelte aber dem von bekannten Bewohnern hydrothermaler Quellen, wie sie etwa im Yellowstone-Park oder in der Tiefsee vorkommen. Falls es im Wostoksee tatsächlich hydrothermale Quellen gibt, wäre es sehr wahrscheinlich, dass es dort Lebewesen gibt, da die Quellen eine vom Licht unabhängige Energiequelle darstellen.
Jean Petit von der Universität von Grenoble berichtete, dass die merkwürdige Form des Sees -seine Oberfläche verläuft schräg – durch eine Wärmequelle im Süden des Sees erklärt werden könnte. Zudem untersuchten Petit und seine Mitarbeiter ebenfalls das wieder gefrorene Seewasser. Sie entdeckten dort auffallend viel Helium-4, wesentlich mehr, als im darüberliegenden Gletschereis vorkommt. Daraus schließen die Forscher, dass das Wasser im See, wahrscheinlich von einer Wärmequelle angetrieben, zirkulieren muss.
Michael Studinger vom Lamont Doherty Earth Observatory im US-Bundesstaat New York berichtete, dass der geheimnisvolle Eissee, der so groß ist wie der amerikanische Lake Ontario, über einer geologischen Störung liegt, die womöglich noch aktiv ist. “In den Verwerfungen könnten hydrothermale Flüssigkeiten zirkulieren”, sagte der Forscher.
Ute Kehse





