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Gewaltiger Eisabbruch im Nordwesten Grönlands
Erde & Umwelt

Gewaltiger Eisabbruch im Nordwesten Grönlands

Diese Aufnahme des Radarsatelliten Sentinel-1 zeigt den am 4. August 2026 von der Gletscherzunge des grönländischen Petermann-Gletschers abgebrochen Tafeleisberg. · Foto: © ESA, Daten: Copernicus Sentinel

So groß wie Manhattan: Im Nordwesten Grönlands ist ein riesiger Tafeleisberg von einem Gletscher abgebrochen – es ist der größte Eisabbruch der Arktis seit 2020. Ort des Geschehens ist die auf dem Meer schwimmende Eisfront des Petermann-Gletschers. Sie galt lange als eine der stabilsten noch verbliebenen Gletscherzungen Grönlands. Doch am 4. August 2026 brach ein 76 Quadratkilometer großes und 150 Meter dickes Eisstück ab, wie Satellitenaufnahmen zeigen. Es ist der größte Eisverlust dieses Gletschers seit 2012.
Autor
Nadja Podbregar
25. August 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Die großen Küstengletscher der Polarregionen transportieren enorme Mengen Eis in Richtung Meer. Langsam, aber stetig rücken die Eismassen zur Küste vor und bilden dort weit auf das Wasser hinausragende Gletscherzungen. An deren Fronten kalben immer wieder große Eisberge, manchmal brechen sogar kilometergroße Stücke aus diesen schwimmenden Eiszungen heraus. Während solche großen Eisabbrüche in der Antarktis relativ häufig sind, kommen sie in der Arktis eher selten vor.

Risse in der Gletscherzunge kündigten den Abbruch an

Umso spannender ist nun ein aktueller Eisabbruch am Petermann-Gletscher auf Grönland. Dieser große Küstengletscher im Nordwesten der Insel gehört zu den Eisströmen, die trotz Klimawandel und Erwärmung lange relativ stabil geblieben sind. „Der Petermann-Gletscher hatte lange Zeit eine der größten verbliebenen Gletscherzungen Grönlands“, erklärt Adam Garbo von der University of Ottawa. Zwar gab es dort zwischen 2008 und 2012 drei größere Eisabbrüche, seither war die Gletscherzunge aber relativ stabil.

Allerdings: Es gibt schon länger Hinweise darauf, dass die Petermann-Gletscherzunge instabil wird. Hochauflösende Aufnahmen der Sentinel-1-Radarsatelliten der Europäischen Weltraumagentur ESA zeigten bereits im April 2026 Verformungen und sich ausbreitende Risse im Eis der schwimmenden Gletscherzunge. „Wir haben schon seit Jahren erwartet, dass es zu einem Eisabbruch kommt“, sagt Garbo.

Petermann-Gletscher

Gletscherzunge des Petermann-Gletschers im April 2026: In der optischen Aufnahme (links) noch nicht sichtbar, zeigt die Radar-Interferometrie (rechts) bereits die Brüche rund um das jetzt herausgebrochene Eisstück. — © ESA/ M. Hammond (University of Leeds), Daten: Copernicus Sentinel

Ein Eisstück so groß wie Manhattan

Am 4. August 2026 war es dann soweit: Ein riesiger Tafeleisberg brach von der Gletscherzunge des Petermann-Gletschers ab, wie die Satellitenaufnahmen enthüllten. Der Eisberg ist 150 Meter dick und rund 76 Quadratkilometer groß, wie die ESA berichtet. Das entspricht ungefähr der Fläche des New Yorker Stadtteils Manhattan oder des Chiemsees in Bayern. Für den Petermann-Gletscher ist dies der größte Eisverlust seit 2012.

Gleichzeitig ist dieser Eisabbruch der größte in der Arktis seit 2020. „Das ist eine eindringliche Erinnerung daran, wie schnell sich diese Systeme verändern können“, sagt Garbo. Und das aktuelle Ereignis wird nicht der letzte Eisverlust des Petermann-Gletschers sein, wie Garbo und seine Kollegen erklären: In den aktuellen Aufnahmen der Radarsatelliten sind bereits weitere Brüche und Risse in der Gletscherzunge zu erkennen, die sich schnell weiter ausbreiten.

Zwei weitere Riesen-Eisberge könnten folgen

Setzt sich diese Entwicklung fort, könnten schon bald zwei noch größere Eisstücke abbrechen – Tafeleisberge von 97 und 87 Quadratkilometern Fläche, wie die Forschenden berichten. „Die vor dem aktuellen Eisabbruch beobachteten Veränderungen am Petermann-Gletscher haben sich sehr schnell entwickelt“, berichtet Molly Hammond von der University of Leeds. „Wir konnten das Fortschreiten der Brüche mithilfe der Radar-Interferometrie quasi in Echtzeit mitverfolgen.“

Solche Beobachtungen sind essenziell, um die in den Polarregionen ablaufenden Veränderungen und die dahinterstehenden Mechanismen zu entschlüsseln, wie die Forschenden betonen. Dies gelte vor allem für die Arktis, wo große Eisabbrüche weit seltener sind als in der Antarktis. „Dieser Eisabbruch gibt uns zudem die einzigartige Chance, mitzuverfolgen, wie eine so riesige Eismasse auf dem Ozean driftet, sich verändert und schließlich zerfällt“, sagt Martin Wearing von der ESA. Das Team wird den neuen Tafeleisberg weiter per Satellit und Luftaufnahmen im Auge behalten.

Quelle: European Space Agency (ESA)

ArktisEisabbruchEisbergGletscherGrönlandTafeleisberg
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