Wie steht es um die Gesundheit und das Wohlbefinden junger Menschen? Zu dieser Frage hat eine von der Fachzeitschrift Lancet einberufene Kommission erstmals im Jahr 2016 einen umfassenden Bericht vorgelegt. Zu den damals identifizierten Problemen zählten unter anderem ungleiche Bildungschancen sowie der Konsum von Tabak und Alkohol. Nun hat sich erneut eine Lancet-Kommission mit der Gesundheit der Jugendlichen von heute befasst und gezeigt: Die Herausforderungen haben sich gewandelt, sind aber nach wie vor beträchtlich.
Neue Gefahren für Gesundheit und Wohlbefinden
„Die Gesundheit und das Wohlbefinden junger Menschen weltweit stehen auf der Kippe, wobei in den letzten drei Jahrzehnten unterschiedliche Fortschritte zu beobachten waren“, berichtet Sarah Baird von der George Washington University in Washington DC, die Co-Vorsitzende der Kommission. „Während der Tabak- und Alkoholkonsum zurückgegangen sind und die Beteiligung an der Sekundar- und Hochschulbildung zugenommen hat, sind Übergewicht und Fettleibigkeit in einigen Ländern Afrikas und Asiens in den letzten drei Jahrzehnten um das bis zu Achtfache gestiegen, und die psychische Gesundheit von Jugendlichen ist weltweit immer stärker beeinträchtigt.“
Dem Bericht zufolge haben junge Menschen weltweit unter den Folgen der Covid-19-Pandemie gelitten, die viele Fortschritte im Bildungsbereich zunichte gemacht hat und zudem die psychische Gesundheit vieler Jugendlicher bis heute belastet. Auch von weiteren globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel ist die junge Generation überproportional stark betroffen: Auf kurzen Zeitskalen stellen zunehmende Naturkatastrophen eine unmittelbare Bedrohung dar, während auf lange Sicht die globale Erwärmung und die Angst vor ihren Folgen die körperliche und psychische Gesundheit junger Menschen gefährden. Zusätzliche Belastungen entstehen durch Kriege und andere Formen der Gewalt sowie durch den raschen Übergang zu einer immer stärker digitalisierten Welt.
Investitionen erforderlich
Schätzungen der Kommission zufolge leben derzeit fast 1,1 Milliarden Jugendliche in Ländern, in denen sie vermeidbaren, behandelbaren Gesundheitsproblemen wie HIV, frühen Schwangerschaften, Depressionen, schlechter Ernährung und Verletzungen ausgesetzt sind. Aus Sicht der Fachleute wären in diesen Bereichen verstärkte Investitionen erforderlich, um die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Zukunftschancen der jungen Generation zu verbessern.
Bislang sei die Jugendhilfe chronisch unterfinanziert: „Jugendliche machen 25,2 Prozent der Bevölkerung in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen aus und tragen 9,1 Prozent der gesamten Krankheitslast“, berichtet die Kommission. „Demgegenüber fließen nur 2,4 Prozent der Entwicklungshilfe in die Förderung ihrer Gesundheit.“ Dabei lohnen sich Investitionen in die Jugend aus Sicht der Kommissionsmitglieder gleich dreifach: „Sie nutzen den Jugendlichen von heute, den Erwachsenen von morgen und der neuen Generation von Kindern, deren Eltern sie werden.“ Dass derzeit reiche Länder wie die USA ihre Investitionen in Entwicklungshilfe drastisch reduzieren, stellt den Fachleuten zufolge eine große Gefahr für die Gesundheit Jugendlicher dar.





