Doch Bewegung sorgt nicht nur dafür, dass wir länger fit bleiben. Sie kann uns auch Aufschluss über unseren aktuellen Gesundheitszustand geben. Ein überraschend zuverlässiger Indikator für eine Vielzahl verschiedener Gesundheitsparameter ist dabei nach Erkenntnissen von Wissenschaftlern der US-amerikanischen Duke-Universität in North Carolina die Geschwindigkeit, mit der wir gehen – und das keinesfalls nur bei älteren Menschen.
Tatsächlich stellte sich bei umfangreichen Untersuchungen heraus, dass sich aus dem Tempo, mit dem auch schon Menschen im Alter von 30 bis 50 Jahren unterwegs sind, bemerkenswerte Schlüsse auf ihr biologisches Alter ziehen lassen. Die eher langsamen Geher sind demnach biologisch gesehen bis zu fünf Jahre älter als ihre schnelleren Altersgenossen. „Menschen, die langsam gehen, weisen mehrere Indikatoren für beschleunigtes Altern und einen kognitiven Rückgang auf“, erklärt dazu die Studienleiterin Line J.H. Rasmussen. „Sie altern schneller, ihr Gehirnvolumen ist kleiner, und nicht zuletzt sehen sie auch älter aus.“
Für ihren Versuch baten die Forschenden knapp tausend neuseeländische Männer und Frauen im Alter von 45 Jahren, die bis dahin regelmäßig medizinisch durchgecheckt worden waren, auf ein Laufband und maßen ihre Ganggeschwindigkeit. Zu Beginn sollten die Probanden in ihrem gewohnten Tempo gehen, dann mussten sie die Geschwindigkeit langsam steigern und sich schließlich so schnell sie konnten vorwärtsbewegen, ohne allerdings zu rennen. Zur Bewertung des biologischen Alters überprüften die Forscher Herz- und Atemleistung der Teilnehmer, maßen ihre allgemeine Muskelkraft, ermittelten verschiedene Blutwerte und blickten ihnen schließlich per Scan ins Gehirn. Den Schluss bildete ein umfangreicher Intelligenztest.
Ergebnis: Die Teilnehmer mit dem langsamsten Gang waren in den vorausgegangenen 20 Jahren im Schnitt um fünf Jahre schneller gealtert als ihre flottesten Kollegen. Dazu noch einmal die Studienleiterin: „Bei den Langsam-Gehern zeigten sich allgemein mehr körperliche Einschränkungen. Sie hatten weniger Kraft in den Händen, konnten nicht lange auf einem Bein balancieren, und es machte ihnen sichtlich Mühe, schnell von einem Stuhl aufzustehen.“ Doch auch hinsichtlich ihrer geistigen Leistungsfähigkeit waren die Gemächlichen deutlich im Nachteil. Die Scans ergaben bei ihnen das kleinste Hirnvolumen und die geringste Dicke der weißen Hirnsubstanz – beides Merkmale, die auf eine verminderte kognitive Leistungsfähigkeit hindeuten. Im Durchschnitt schnitten die Langsamen bei den IQ-Tests um 16 Punkte schlechter ab als ihre schnelleren Altersgenossen.
Die Wissenschaftler erklären den deutlichen Unterschied damit, dass effektives Gehen das reibungslose Zusammenspiel unterschiedlicher Organsysteme einschließlich Knochen, Herz, Lunge, Muskeln, Sinnesorgane sowie Nerven- und Immunsystem erfordert. Da die Ergebnisse gezeigt hätten, dass es hier bereits in der Lebensmitte und nicht erst – wie bis dahin vermutet – im Seniorenalter erhebliche Schwankungen gebe, könnte die regelmäßige Überprüfung des Gehtempos eine sinnvolle Maßnahme zur früheren Erkennung altersbedingter Krankheiten sein.





