von Jürgen Brater
Der stetig wiederkehrende Wechsel von hell und dunkel ist für den Menschen seit jeher der regelmäßigste und universellste Umweltreiz. Kein Wunder also, dass Licht erhebliche Auswirkungen auf das persönliche Wohlbefinden hat – und zwar sowohl körperlich als auch seelisch. Der entscheidende Taktgeber ist dabei die sogenannte innere Uhr. Darunter versteht man einen biologischen Zeitmessapparat des Organismus mit einer Periodenlänge von rund 24 Stunden. Der Fachausdruck lautet „zirkadianer Rhythmus“. Dieser ist genetisch determiniert und steuert – optimal aufeinander abgestimmt – sämtliche vitalen Prozesse im Körper. Die innere Uhr bestimmt unter anderem, wann Enzyme gespalten, Zellgifte abtransportiert und Muskeln aufgebaut werden. Sie sorgt dafür, dass am frühen Morgen der Spiegel des Wachmacherhormons Cortisol im Blut steigt, dass der Blutdruck in die Höhe geht und sich der Herzschlag beschleunigt. Kurzum: Der gesamte Organismus wird auf Aktivität programmiert. Dazu trägt maßgeblich das Gewebshormon Serotonin bei, das nicht zu Unrecht als Gute-Laune- oder Glückshormon bezeichnet wird. Gegen Mittag läuft dann die Neuproduktion roter Blutkörperchen im Knochenmark auf Hochtouren, und am späten Nachmittag erreicht die Körpertemperatur ihren Tageshöchststand. 38 Grad Celsius am frühen Abend bedeuten daher nur leicht erhöhte Temperatur, während derselbe Wert in den frühen Morgenstunden möglicherweise auf einen verborgenen Infekt hindeutet.





