Dicke Menschen sind nicht kränker als dünne. Sport hilft nur beim Abnehmen, wenn er Spaß macht. Obst und Vollkorn können krank machen.
Mit diesen Thesen widerspricht der Arzt für Allgemeinmedizin Gunter Frank der gängigen Meinung zum Thema Übergewicht und gesunde Ernährung. Dabei hält er sich an Erkenntnisse aus der Wissenschaft genauso wie an seine Erfahrungen mit Patienten, die ihn wegen Übergewicht oder Verdauungsproblemen aufsuchten.
Polemisch wird er dabei nie. Gut verständlich beschreibt Frank Verdauungsvorgänge, Stressphysiologie und Körperbautypen. Ist der Körper eher schmal und schlank, so führt ein Übermaß an Rohkost zu Verstopfung. Doch wenn solche Menschen Sport treiben, purzeln ihre Pfunde. Anders bei Menschen mit gedrungenem Körper, die schon mit wenig Kalorien Pfunde ansetzen und trotz Bewegung nur langsam abnehmen. Ihnen hilft nach Franks Erfahrung vor allem, ihren Stress zu reduzieren. Denn bei Stress schüttet der Körper Cortisol aus, das überschüssige Kalorien als Bauchfett einlagert. In der Tat untermauert die moderne Genforschung die Theorie, dass nicht für jeden Menschen dieselbe Ernährung und dieselbe Menge an körperlicher Verausgabung gesund ist.
Umfassend informiert der Autor auch über Nahrungsmittel und ihre Zubereitung. So sind Entspelzen, Mahlen, Backen und Kochen Techniken, die unsere Vorfahren entwickelt haben, um Speisen bekömmlicher zu machen. Solches Wissen darf man nicht einfach vergessen, fordert Frank, nur weil die moderne Ernährungsforschung vor dem Verlust wertvoller Pflanzeninhaltsstoffe etwa beim Kochen warnt. Kathrin Burger
Gunter Frank LIZENZ ZUM ESSEN Piper, München 2008 336 S., € 16,90 ISBN 978–3–492–05074–6





