Davon kann hier leider keine Rede sein. Die Verfasserin Elke Goez hetzt in ihrer „Geschichte Italiens im Mittelalter“ sich und ihre Leser geradezu atemlos durch eine Fülle an Stoff, die aufgrund ihrer schieren Menge häufig ungedeutet und damit unbegreiflich bleibt: Da steigen Herrscher und Reiche auf und ab, kämpft der Adel gegen das Volk, wird Freiheit verteidigt und gemeuchelt, gelangen Bankiers zu ungeheuren Reichtümern und Künstler zur Vollendung, bis am Ende Italien durch dunkler Mächte Hand zerfällt – wie konnte es das eigentlich, da es doch nie geeint war?
Da sozial- und kulturhistorische Differenzierungen ebenso wie nähere Erläuterungen zu den politischen Hauptsystemen der Kommune und der Signorie fehlen, tummeln sich die Uraltklischees hemmungslos: Da herrscht ein Cosimo de’ Medici seit 1434 wie „ein absoluter Monarch“, was die gesamte Florenz-Forschung des letzten halben Jahrhunderts auf den Kopf stellt. Da erweist sich der „Kirchenstaat“ hinsichtlich seiner Organisa‧tion gegenüber anderen Herrschaften überlegen – und das, obwohl es, wie eine Seite zuvor vermerkt, den Päpsten zumeist an einer zielgerichteten und wirksamen Territorialpolitik fehlte, von der weitgehenden Auflösung des päpstlichen Herrschaftssystems im 14. Jahr‧- hundert ganz zu schweigen.
Natürlich darf da auch der „fanatische“ Savonarola nicht fehlen, der mit seinen Anhängern 1494 die Medici vertreibt und die Macht ergreift. Dass in einem Buch von so gedrängter Kürze zusammengefasst und auch bildkräftig vereinfacht werden muss, ist unbenommen, doch nicht um den Preis kausaler Verkehrungen. Zu den Verzeichnungen im Großen kommen zahlreiche Ungenauigkeiten im Kleinen: Nach dem Tod Alexanders VI. wurde nicht Julius II., sondern Pius III. gewählt, Sigismondo Malatesta baute in Rimini keinen „Tempel“, sondern ließ die Franziskanerkirche zu einem Familien-Mausoleum umgestalten – und so weiter. Beckmesserhaft? Vielleicht, doch gerade in einem name- and event-dropping wie hier müssen die Fakten eben stimmen.
Schade drum, denn die Verfasserin erzählt insgesamt farbig und flott. So ist ihr Text jedoch nur zur allerersten und allgemeinsten Orientierung über elementare Ereignisabläufe zu empfehlen.
Rezension: Prof. Dr. Volker Reinhardt




