Diese über 1000jährige Geschichte gliedert Bringmann nach den unterschiedlichen Herrschaftsstrukturen. Abgesehen von der Hasmonäerzeit (167– 63 v. Chr.) waren Juden im Altertum immer „Untertanen“, die auf ein funktionierendes, „vertikales Bündnis“ mit der Vormacht bzw. deren Eliten angewiesen waren. Ein Judaist würde wohl in der Gliederung die Zäsur 70 n. Chr. (Zerstörung des Tempels durch Titus) noch stärker herausstreichen, doch geht es Bringmann nicht nur um die palästinischen Juden, sondern auch um die sich immer weiter ausbreitende Diaspora.
Der Umfang der einzelnen Kapitel orientiert sich an einer eher griechisch-römischen Quellenlage (obwohl auch Qumran, jüdische Inschriften und rabbinische Zeugnisse eingearbeitet wurden), so daß die zweiten 500 Jahre knapp auf 30 Seiten abgehandelt werden. Die Darstellung ist vorrangig ereignisgeschichtlich ausgerichtet, bisweilen finden sich einige vermeidbare Modernismen, und infolge der vielfältigen Forschungen des Autors zur Antike werden immer wieder Vergleiche aus der athenischen, spartanischen oder römischen Geschichte eingeflochten.
Bringmann konzentriert seine Darstellung auf die Beziehungen der jüdischen Untertanen zu ihren jeweiligen Vormächten, weniger auf die strukturellen Auswirkungen der einzelnen Herrscherwechsel. Alexanders Eroberung läßt etwa ordnungspolitisch „alles beim alten“ gegenüber den Persern, und die Römer ebnen durch „Mißgriffe“ und „Brutalisierung“, durch ehrgeizige und habgierige Generäle und Statthalter den „Weg in die Katastrophe“. Das Jahr 70 bringt das Ende der von Esra und Nehemia aufgerichteten Ordnung. Den Kaisern attestiert Bringmann projüdische Schutzmaßnahmen, was freilich, so führt er weiter aus, im christlichen Imperium auf kirchlichen Druck immer schwerer geworden sei.
Das Buch ist eine gründliche, mit der Forschung vertraute Zusammenschau eines überaus komplexen Themas. Es bietet eine Fülle von erwägenswerten Einzelanalysen, ohne daß man allen folgen wird. Ganz sicher aber wird man der Schlußhoffnung des Buches beipflichten: daß dem heutigen Israel „eine ähnliche Katastrophe wie die unter römischer Herrschaft eingetretene“ erspart bleibe.
Rezension: Baltrusch, Ernst




