In seiner fulminanten Geschichte Chinas entwirft der Hamburger Sinologe Kai Vogelsang ein anderes Panorama. Der Fokus des Buchs liegt nicht auf der starren Abfolge historischer Dynastien, sondern auf dem Umgang der chinesischen Gesellschaft mit sozialen Veränderungen, wachsender Komplexität und äußeren Bedrohungen sowie dem daraus resultierenden Wandel sozialer Ordnungsvorstellungen. Es verdeutlicht, dass insbesondere die Phasen der Reichsteilung Blütezeiten des politischen Denkens und künstlerischer Aktivität waren und dass die Tradi‧tion des bürokratischen Zentralstaats keineswegs das einzige historische Erbe Chinas ist.
Das Buch besticht durch seinen stringenten Aufbau und durch seine unprätentiöse, aber überaus klare Diktion. Trotz einer systemtheoretischen Fundierung ist das Buch frei von Jargon und fesselnd zu lesen. Jedes Kapitel beginnt mit einer hilfreichen Zusammenfassung der Hauptentwicklungen, die im weiteren Verlauf genauer dargelegt werden. Zeittafeln erleichtern die Einordnung, und knappe Exkurse vertiefen wichtige Aspekte der chinesischen Kultur und Politik. Das Buch ist sehr thesenstark und wird zweifellos einige kritische Debatten entfachen. Es steht aber außer Frage, dass es schon lange kein Buch aus der Feder eines deutschen Sinologen mehr gegeben hat, das man mit ähnlich viel Spaß und Gewinn gelesen hat.
Rezension: Prof. Dr. Daniel Leese




