von ANDREA MERTES
Im Mai 2021 sendet Jens Krystek eine Videonachricht in die Welt: „Ich bin im Krankenhaus“, sind seine ersten Worte an die vielen Menschen, mit denen er sein Leben auf Facebook teilt. „Mir fehlen Wörter. Krass viele Wörter. Es kann sein, dass da eine Erkrankung in meinem Gehirn ist.“ Die Ärzte im Universitätsklinikum Kiel hätten ihn untersucht und gesagt, dass sie ihn operieren müssten. „Drei Stunden lang.“ Doch was sie genau machen mit seinem Kopf, erinnert er nicht. „Innen drin ist bei mir viel durcheinander“, sagt der Lehrer an einer Ganztagsschule und wühlt sich in den Haaren, die er ein paar Monate später nicht mehr haben wird. Tags zuvor war er von einer besorgten Freundin in die Klinik gebracht worden, nachdem er die Kontrolle verloren hatte. Er wirkte wesensverändert, war planlos, weinte viel. Den behandelnden Ärzten sagte er, dass sein Kopf poche und schmerze. Dass seine Erinnerung verwaschen im Nebel liege oder ganz fehle. Die Mediziner kannten die Symptome, und die anschließende Untersuchung bestätigte den Verdacht: Im Kopf des heute 57-Jährigen wuchsen zwei Geschwülste. Bei der am nächsten Tag angesetzten Operation konnte der Neurochirurg eine davon entfernen, die andere nicht. Die Diagnose lautete bei beiden: Hirntumor. Unbehandelt würde Jens Krystek heute wahrscheinlich nicht mehr leben.





