Ideen für das Geoengineering gibt es bereits länger: Die am meisten diskutierte Option sind stratosphärische Aerosolinjektionen (SAI). Getreu dem Namen werden dafür winzige Partikel – die Aerosole – in in der oberen Atmosphäre – der Stratosphäre – freigesetzt. Dadurch wird ein größerer Teil des Sonnenlichts zurück ins Weltall reflektiert, das sich auf diese Weise nicht am Treibhauseffekt beteiligen und die Erde erwärmen kann. Ein ähnlicher Ansatz ist die Aufhellung von Wolken über dem Meer. Dabei wird Meersalz in bestehende Wolken über den Ozeanen gesprüht, um diese weißer zu machen und mehr Licht reflektieren zu lassen.
Gut und günstig?
Was diese und ähnliche Methoden gemeinsam haben, ist, dass sie vergleichsweise kostengünstig sind und nicht viele Akteure erfordern. Beispielsweise schätzte Wake Smith, Dozent am US-amerikanischen Yale College, in der Fachzeitschrift Environmental Research Letters, dass sich die Kosten, um die weitere Erwärmung der Erde mittels SAI zu stoppen, auf knapp 30 Milliarden US-Dollar pro Jahr belaufen würden. Das ist vielleicht nicht Ihre Vorstellung von billig, aber im Vergleich zu den zig Billionen US-Dollar, die die globale Energiewende verschlingt, sind das praktisch Peanuts.
Also worauf warten wir noch? Nun ja, Geoengineering-Maßnahmen sind äußerst umstritten – vor allem, weil sie nichts gegen das Grundproblem unternehmen, nämlich den Anstieg des Kohlendioxidgehalts in der Atmosphäre. Letztlich sind es Versuche, die schlimmste Auswirkung, also konkret den Temperaturanstieg, zu beheben. Aber sie würden nichts an anderen Problemen wie der durch Kohlendioxid verursachten Versauerung der Ozeane ändern.
Darüber hinaus würden die Maßnahmen wahrscheinlich zu starken Veränderungen der globalen Niederschlagsmuster führen. Also „wahrscheinlich“ … Denn tatsächlich wissen wir es nicht wirklich. Versuche, die Folgen des Geoengineering wissenschaftlich zu untersuchen, wurden von Umweltaktivisten in der Vergangenheit immer wieder vereitelt: Im März 2024 musste die Harvard University in den USA beispielsweise ein Experiment zum Test von SAI abbrechen. Im Mai 2024 musste die University of Washington ein Projekt zur Aufhellung von Meereswolken auf unbestimmte Zeit auf Eis legen – angeblich aus Gesundheits- und Umweltgründen. Und einige kleine, nicht autorisierte Stratosphärenexperimente des Start-ups Make Sunsets in Mexiko veranlassten die mexikanische Regierung dazu, jegliches Geoengineering zu verbieten.
In den meisten Ländern gibt es jedoch keine Vorgaben und Gesetze zum Geoengineering, und bei einem Treffen der Vereinten Nationen im vergangenen Jahr kam man zu keiner Lösung, was in dieser Hinsicht zu tun ist. Immerhin: Die britische Regierung hat kürzlich Geld in weitere Studien gesteckt. Dass die Menschheit auf absehbare Zeit eine globale Geoengineering-Strategie auf die Beine stellen wird, an der sich viele große Nationen beteiligen, halte ich aufgrund der aktuellen Situation jedoch für sehr unwahrscheinlich.





