Dingos haben für die Ureinwohner Australiens eine wichtige kulturelle Bedeutung und spielen überdies als größte einheimische Raubtiere eine wichtige Rolle im Ökosystem. Für die europäischen Siedler stellten sie allerdings von Anfang an ein Problem dar. Da Dingos immer wieder Schafe rissen, wurden sie mit Fallen, Gift und Schusswaffen intensiv bekämpft. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde ein mehr als 5000 Kilometer lange Zaun von der Süd- bis zur Ostküste vollendet, der Dingos von den Schafherden im Süden fernhalten soll. Bis heute wird dieser Zaun in Stand gehalten und das sogenannte Dingo-Management umfasst die Bekämpfung der Tiere in weiten Teilen des Kontinents, kombiniert mit Erhaltungsbemühungen in speziellen Schutzgebieten.
Alte Dingo-DNA analysiert
Doch wie wirkten sich die menschlichen Einflüsse – vom Dingozaun bis hin zur Kreuzung mit Haushunden – auf die Populationsstruktur der Dingos aus? Antworten auf diese Frage liefert nun ein Team um Yassine Souilmi von der University of Adelaide in Australien. Die Forschenden untersuchten die alte DNA von 42 Dingo-Überresten, darunter zahlreiche Exemplare, die in der Zeit vor 400 bis 2.746 Jahren gestorben waren. Diese historischen genomischen Daten verglichen sie mit dem Genom heutiger Dingos. Dabei fokussierte sich das Team auf Tiere, die auf der australischen Insel K‘gari leben und von denen angenommen wird, dass sie sich wenig mit Haushunden vermischt haben.
„Die heutigen Dingo-Populationen auf dem australischen Festland werden in östliche und westliche Gruppen eingeteilt, von denen man bisher annahm, dass sie während der postkolonialen menschlichen Aktivitäten entstanden sind“, erklärt Co-Autorin Sally Wasef von der Queensland University of Technology. „Unsere Ergebnisse zeigen jedoch, dass die Populationsstruktur der Dingos bereits vor Tausenden von Jahren existierte. Schon in der alten DNA ließen sich genetische Unterschiede zwischen östlichen und westlichen Individuen nachweisen, wobei die Grenze ungefähr entlang des größten Gebirgszugs Australiens verläuft, der Great Dividing Range. „Diese Aufteilung in zwei genetisch unterschiedliche Populationen ist also lange vor der europäischen Invasion in Australien entstanden – und lange vor dem Dingozaun“, sagt Souilmi.
Kaum Einflüsse von Haushunden
Die beiden Dingo-Gruppen unterscheiden sich auch äußerlich. So ist die östliche Population im Vergleich zur westlichen Population zierlicher und hat kleinere Zähne. Die genetischen Daten liefern eine Erklärung für die Unterschiede: Demnach finden sich bereits in der alten DNA östlicher Individuen genetische Gemeinsamkeiten mit Neuguinea-Dingos. Diese sind ebenfalls etwas kleiner als die Dingos aus Westaustralien und werden aufgrund ihres melodischen Heulens auch als singende Hunde bezeichnet. Offenbar kam es früh in der Geschichte der australischen Dingos zu einer Vermischung zwischen Individuen aus Südostaustralien und Tieren aus Neuguinea.





