Als Teil unseres Immunsystems sind T-Zellen in der Lage, Fremdkörper und krankhaft veränderte Körperzellen aufzuspüren und zu zerstören. Auch Krebszellen können sie grundsätzlich erkennen und angreifen, da sich die Oberfläche der entarteten Zellen durch die Krebsmutationen verändert. In den meisten Fällen eliminiert unser Immunsystem diese Zellen bereits kurz nach ihrer Entstehung und verhindert so, dass sich Tumore bilden. Manchen Krebszellen gelingt es allerdings, sich so anzupassen, dass sie unter dem Radar des Immunsystems bleiben. Aus diesen Zellen können deshalb, unbehelligt vom Immunsystem, Tumore wachsen. Die Krebs-Immuntherapie zielt darauf, das Immunsystem wieder auf die Krebszellen anzusetzen. In der klinischen Praxis kommen bislang vor allem Medikamente zum Einsatz, die Strategien des Tumors entgegenwirken, das Immunsystem von sich abzulenken.
Patienteneigene T-Zellen
Ein Team um Susan Foy von dem Unternehmen PACT Pharma in San Francisco hat nun gemeinsam mit universitären Forschern einen neuen Ansatz erprobt: Mit Hilfe der Genschere Crispr/Cas9 veränderten sie patienteneigene T-Zellen so, dass sie gezielt auf Proteine auf der Oberfläche von Krebszellen reagieren, die für den individuellen Tumor des Patienten spezifisch sind. Dazu isolierten sie zunächst mit einem eigens dafür entwickelten Verfahren entsprechende Immunrezeptoren aus dem Blut der Patienten. Anhand von Proben aus dem Tumorgewebe der Patienten bestimmten sie zudem, welche Mutationen für den jeweiligen Tumor charakteristisch sind.
Für jeden der 16 Patienten, die an der Studie teilnahmen, erstellten die Forscher eine individuelle Bibliothek an krebsspezifischen Immunrezeptoren und wählten diejenigen aus, die zu den jeweiligen Mutationen passten. Mit Hilfe der Genschere Crispr/Cas9 fügten sie in das Genom der patienteneigenen T-Zellen genau die Gensequenzen ein, die den T-Zellen ermöglichen, an die Tumorzellen zu binden. Bisher war dies nur unter Einsatz von Viren als Genfähren möglich. „Dies ist ein großer Fortschritt bei der Entwicklung einer personalisierten Krebsbehandlung“, sagt Co-Autor Antoni Ribas von der University of California in Los Angeles. „Ohne die neu entwickelte Fähigkeit, die Crispr-Technik zu nutzen, um die Immunrezeptoren in Zellpräparaten in einem einzigen Schritt zu ersetzen, wäre die Entwicklung einer personalisierten Zellbehandlung für Krebs nicht möglich gewesen.“
Fokus auf Sicherheit
Nachdem die Forscher die T-Zellen erfolgreich modifiziert hatten, injizierten sie diese den Patienten – zunächst aus Sicherheitsgründen in sehr geringen Dosen. Ein besonderes Augenmerk legten sie dabei auf mögliche Nebenwirkungen. Erwartungsgemäß zeigten alle Patienten Nebenwirkungen der zur Vorbereitung verabreichten Chemotherapie. Die neuartige Immuntherapie hingegen führte nur bei zwei von 16 Patienten zu Nebenwirkungen: Eine der Testpersonen reagierte mit Fieber und Schüttelfrost, eine weitere mit neurologischen Problemen. In beiden Fällen gingen die Nebenwirkungen jedoch wieder vollständig zurück.





