Der allergische Schnupfen, im Fachjargon allergische Rhinitis, ist die häufigste Allergieform. Zu ihr gehören beispielsweise der Heuschnupfen, aber auch die Hausstaubmilben- und die Tierhaarallergie. Gemeinsam ist diesen Krankheitsbildern, dass sie alle durch Allergene ausgelöst werden, die über die Luft in unsere Atemwege gelangen. Typische Symptome sind eine laufende Nase und geschwollenen Schleimhäute, Niesen, kratzender Hals und juckende Augen. Weltweit sind rund 400 Millionen Menschen von einer allergischen Rhinitis betroffen, vor allem in westlichen Ländern ist die Tendenz steigend. “Um die Vorsorge und Therapie dieses Krankheitsbildes zu verbessern, müssen wir zuallererst verstehen, warum der Körper sich gegen bestimmte, eigentlich harmlose Stoffe zur Wehr setzt”, erklärt Erstautorin Marie Standl vom Helmholtz Zentrum München. Denn bisher gibt es keine wirksame Vorbeugung gegen diese Allergien.
41 Risikogene
Einen Hinweis auf die Ursachen liefert die familiäre Häufung von Heuschnupfen und Co: Sie deutet darauf hin, dass der allergische Schnupfen zu rund 65 Prozent genetisch bedingt und damit vererbbar ist. Bisher jedoch waren nur wenige Genorte bekannt, die möglicherweise eine Anfälligkeit für diese Überreaktion des Immunsystems fördern können. Um mehr Aufschluss über die genetische Basis des allergischen Schnupfens zu erhalten, haben Standl und ihre Kollegen nun dazu die bisher umfangreichste “Rasterfahndung” im Erbgut durchgeführt. Im ersten Schritt verglichen sie das Erbgut von knapp 60.000 Personen mit allergischem Schnupfen mit dem von über 150.000 gesunden Kontrollpersonen.
Dabei identifizierten die Forscher 42 Gene, die bei den Patienten mit allergischer Rhinitis verändert waren. 21 dieser Gene waren bisher in diesem Zusammenhang unbekannt, wie sie berichten. In einer ergänzenden Studie mit weiteren rund 60.000 Betroffenen und 620.000 gesunden Kontrollen konnten Standl und ihre Kollegen 30 dieser neuen Risikogene bestätigen. “Durch die damit 41 bekannten Risikogene lassen sich in etwa acht Prozent der allergischen Rhinitis-Erkrankungen erklären”, berichtet Standl. Doch welche Funktionen haben diese Gene? Um das herauszufinden, durchsuchten die Forscher verschiedene Gendatenbanken nach früheren Erwähnungen dieser 20 Genorte.
Wirkung auf das Immunsystem
Sie wurden fündig: “Für viele dieser Genorte gab es Belege, dass sie regulatorische Effekte auf ein breites Spektrum von Immunzellen besitzen, darunter auch B- und T-Zellen”, berichten Standl und ihre Kollegen. Viele der in der Vergleichsstudie besonders auffälligen Gensignale waren dabei im sogenannten Haupthistokompatibilitätskomplex (MHC) lokalisiert – einer Gruppe von Genen auf dem sechsten Chromosom, die unter anderem für die Erkennung fremder oder eigener Zellen und Gewebe entscheidend sind. Sie spielen beispielsweise für die Gewebeverträglichkeit und Abstoßungsreaktionen nach Transplantationen eine wichtige Rolle, aber auch für die Erkennung von Allergenen bei Allergien. Einige der jetzt neu identifizierten Genvarianten verändern offenbar Bindungstaschen in Rezeptoren für Allergene, wie die Forscher feststellten. Zudem zeigte der Abgleich, dass einige der für die allergische Rhinitis identifizierten Risikogene auch schon im Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen aufgefallen waren. Auch diese beruhen auf einer Über- und Fehlreaktion des Immunsystems.





