Das Buch besticht durch klare Linien und fasst berühmte Werke des Autors über die Erfindung des Fegefeuers, über Kaufleute und Bankiers oder über Wucherzins und Höllenqualen prägnant zusammen. Entscheidende Bedeutung kam dem 12. und dem 13. Jahrhundert zu: Damals wuchs der europäische Handel mit dem Welthandel zusammen. Der Bau von Kathedralen oder politische Großunternehmungen verschlangen immense Summen, Münzen drangen in alle Bereiche des menschlichen Lebens ein, und selbst die Bauern zahlten ihre Abgaben nicht mehr nur in Naturalien.
Jetzt kollidierte der Mangel an Edelmetall mit dem zunehmenden Geldbedarf. Größere Silbermünzen oder die italienischen Goldprägungen des 13. Jahrhunderts erlaubten sprunghaft wachsende Zahlungsströme. Bald ersetzten Wechsel den mühsamen Transport von Edelmetall. Die frühen Banken bescherten ihren Betreiberfamilien gigantische Gewinne, legten aber in spektakulären Zusammenbrüchen auch die Fragilität des Geldmarkts wie die Grenzen des Vertrauens unter Handelspartnern offen.
Es war kein Zufall, dass im „großen 13. Jahrhundert des Geldes“ auch die Bettelorden mit ihrem radikalen Armutsgebot entstanden. Debatten über Wucher oder Nächstenliebe, über den gerechten Zins oder das Leben in der Apostelnachfolge begleiteten die Monetarisierung Europas. Doch bald wurde selbst von der Kirche alles Wichtige in Geld bemessen. Gläubige durften sich von beschwerlichen Pilgerreisen loskaufen oder ihre Sündenstrafen im Fegefeuer durch Ablässe verringern.
Jacques Le Goff schreibt ohne pädagogischen Zeigefinger. Sein Buch präsentiert den Siegeszug des Geldes mit all seinen Widersprüchen in längst vergangenen Zeiten. Trotzdem ist es auf jeder Seite aktuell.
Rezension: Prof. Dr. Bernd Schneidmüller




