von Rüdiger Vaas und Finn Brockerhoff
Schon seit dem Altertum versuchen Wissenschaftler, die Natur des Lichts zu ergründen und die mannigfaltigen Phänomene zu erklären, die mit ihm einhergehen. So hat die Optik, die Lehre vom Licht, im Laufe der Zeit eine Vielzahl verschiedener Theorien hervorgebracht: Bereits um 300 v. Chr. schrieb der griechische Mathematiker Euklid, dass sich Licht in Form geradliniger Strahlen ausbreitet. Wie schon Pythagoras und andere antike Gelehrte ging er dabei jedoch von einem falschen Sehvorgang aus, bei dem die Augen heiße Sehstrahlen aussenden, die dann von kalten Objekten „zurückgedrängt“ würden.
Erst Ptolemäus widersprach dieser Theorie, indem er 400 Jahre nach Euklid argumentierte, dass man auch im Dunkeln sehen können müsste, wenn die Augen tatsächlich Sehstrahlen aussenden würden. Er vermutete daher richtig, dass Lichtstrahlen von Lichtquellen wie der Sonne oder einer Fackel ausgesendet werden und Objekte beleuchten. An der Vorstellung der Sehstrahlen, die vom Auge ausgesendet werden, hielt er dennoch fest. Die heutige Vorstellung, dass Lichtquellen Strahlen aussenden, diese von unserer Umwelt zurückgeworfen und dann auf unsere Augen triffen, etablierte sich erst im 17. Jahrhundert.
Woraus diese Strahlen bestehen, blieb jedoch lange ungeklärt. Isaac Newton ging beispielsweise davon aus, dass es sich um Ströme aus kleinen Teilchen oder Korpuskeln handelt, die von leuchtenden Körpern mit großer Geschwindigkeit ausgeschleudert werden. Vorgänge wie die Reflexion des Lichts an einem Spiegel ließen sich damit gut erklären, schon bei der Deutung der Lichtbrechung kam diese Theorie aber an ihre Grenzen.
Mit Geometrie zum Verständnis
Das Fehlen eines klaren theoretischen Verständnisses hinderte die Wissenschaft jedoch nicht daran, eine Vielzahl optischer Effekte zu enträtseln und ihre Gesetzmäßigkeiten zu beschreiben. Denn bereits durch eine rein geometrische Untersuchung des Verlaufs der Lichtstrahlen ließen sich viele Erkenntnisse gewinnen. Als Grundlage für diese geometrische Optik diente das sogenannte Fermatsche Prinzip, das 1662 vom französischen Mathematiker Pierre de Fermat beschrieben wurde. Es besagt, dass Licht immer jenen Weg zwischen zwei Punkten nimmt, für den die benötigte Zeit minimal ist. Mathematisch lassen sich daraus die Gesetze sowohl für die Reflexion als auch die Brechung von Licht herleiten.
Viele einfache optische Phänomene, die mit Linsen und Lichtbrechung zu tun haben, lassen sich damit in guter Näherung beschreiben – doch bei Weitem nicht alle. Bespielweise kann nicht erklärt werden, warum Licht verschiedene Farben haben kann und sich Lichtstrahlen unter bestimmten Bedingungen gegenseitig auslöschen oder auch verstärken können, wenn sie aufeinandertreffen.





