Die hoch ansteckende Infektionskrankheit Cholera verursacht schwere Durchfälle und Erbrechen. Betroffene verlieren dabei große Mengen Wasser und Elektrolyte. Erhalten die Erkrankten davon nicht ausreichend Nachschub, können sie in schweren Fällen innerhalb von Stunden sterben. Um die Dauer der Infektion zu verkürzen und Übertragungsketten zu unterbrechen, erhalten Betroffene zusätzlich Antibiotika. Diese sollen die Mikroben abtöten, die Cholera verursachen: bestimmte Bakterien der Spezies Vibrio cholerae.
Doch wie bei vielen bakteriellen Infektionskrankheiten kommt es auch bei Cholera vor, dass ein Bakterienstamm resistent gegen Antibiotika ist. Im Jemen führte ein solcher Stamm im Jahr 2018 zu einem schweren Cholera-Ausbruch, bei dem rund zwei Millionen Menschen erkrankten. Dieser AFR13 7PET Bakterienstamm ist allerdings nicht nur gegen eines, sondern gleich zehn Antibiotika resistent. Darunter sind auch Azithromycin und Ciprofloxacin, zwei der drei zur Behandlung von Cholera empfohlenen Antibiotika.
Mehrere Cholera-Ausbrüche innerhalb weniger Jahre
Ein Forschungsteam um Caroline Rouard vom Institut Pasteur in Paris ist nun dem Verlauf dieser Epidemie nachgegangen. Um herauszufinden, ob und wie dieser Cholera-Erreger sich vom Jemen aus bereits weiter ausgebreitet hat, nahmen die Forschenden 17 Proben von an Cholera Erkrankten in Frankreich, Belgien und Großbritannien, die zuvor in verschiedene Länder gereist waren. Dann untersuchten sie das Genom der darin enthaltenen Bakterien und identifizierten anhand der DNA die jeweiligen Stämme.
Es zeigte sich, dass der multiresistente Bakterienstamm nach 2018 mehrfach erneut Epidemien in verschiedenen Ländern in Vorderasien und Afrika ausgelöst hat. 2022 tauchte der Erreger zunächst im Libanon, 2023 dann in Kenia und schließlich 2024 in Tansania und auf den Komoren auf, wie die Analysen ergaben. Zu diesem Archipel vor der Südostküste Afrikas gehört auch die französische Inselgruppe Mayotte. In Kenia erkrankten rund 12.000 Menschen an Cholera, die durch diesen hochresistenten Stamm verursacht wurde, in Tansania rund 3000 und auf den Komoren mehr als 7000 Personen. Zwischen März und Juli 2024 erkrankten zuletzt auf Mayotte 221 Menschen. Die Betroffenen waren sowohl Reisende aus Europa als auch Einheimische, wie das Team berichtet.
Der Befund zeigt, dass die Gefahr durch diesen Erreger noch nicht gebannt ist und weitere Ausbrüche mit dem multiresistenten Keim folgen könnten. Die Übertragung erfolgt meist über infiziertes Trinkwasser in Gegenden mit mangelnder Hygiene oder schlechter Wasserversorgung – oft in Krisengebieten. Der Wirbelsturm, der vor wenigen Tagen über Mayotte und Mosambik gezogen ist und dabei die Wasserversorgung beschädigt hat, bietet nur eine von vielen Gelegenheiten für den Erreger, sich weiter auszubreiten.





