Eine ausgestopfte Suppenschildkröte aus dem Indischen Ozean, Tisch und Hocker aus Fußteilen des afrikanischen Elefanten oder ein Walroßzahn hätten wohl als Souvenirs aus fernen Ländern so manch ein Wohnzimmer schmücken sollen, befinden sich nun aber allesamt in einer Glasvitrine unter der Rubrik “Beschlagnahmte Zollwaren” im Deutschen Zollmuseum. An passender Stelle wurde es 1992 von der Bundesfinanzdirektion im ausgedienten Zollamt “Kornhausbrücke” eingerichtet, direkt an der Grenze zwischen Hamburger Stadtgebiet und Freihafen. Wo früher Kaffee nachgewogen, Zigaretten gezählt und Kisten geprüft wurden, wird heute die Geschichte des Zolls dargestellt. Zwar sind dessen längst über die Kontrolle an der Grenze hinausgewachsen, doch wie eng der Zoll und die Grenze zusammengehören, geht schon aus der Bedeutung des Wortes hervor. Denn es leitet sich aus dem griechischen “telos” ab, was Ziel, Ende, Grenze bedeutet. Insofern ist es nur folgerichtig, wenn gleich am Eingang des Museums die Symbole der Grenze zu sehen sind: Schlagbäume, Grenztafeln, ein Unterstand für militärische Posten. Münzprüfgeräte, Handrechenmaschinen und Geldkassetten vermitteln die charakteristischen Aufgaben eines Zöllners: Waren prüfen und Zollgebühren einnehmen. Genau diese Tätigkeit aber verschaffte dem Beruf des Zöllners – den es nachweislich schon seit römischen Zeiten gibt – einen zweifelhaften Ruf. Dieser rührte nicht zuletzt von einer gewissen Willkür her, die mit dem Amt verbunden war, da ein geregelter Zolltarifsatz fehlte. Ein solches beliebig gehandhabtes Zollsystem machte Reisenden und Händlern vor allem in der Zeit des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation schwer zu schaffen, in dem die zahlreichen Kleinstaaten jeweils ihre eigenen Zölle verlangten. So mußte beispielsweise ein Kaufmann, der auf dem Rhein vom Bodensee nach Rotterdam reiste, sage und schreibe an 40 Zollstätten anlegen. Eine solche Zollstätte, wie man sie im Mittelalter am Rhein vorfand, ist im Museum zu betrachten: eine als “Rheinmeister” gewandete Puppe steht an einer mannshohen Balkenwaage, auf der die schweren Handelsgüter der Schiffe gewogen wurden. Die rote Farbe seines Gewandes ist kein Zufall. Sie verdeutlicht vielmehr die hohe Stellung des Zöllners im Staatsgebilde, denn rot war die Farbe des Königs. Die rund 1800 über das Reichsgebiet verteilten Zollstellen wurden erst nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches entscheidend verringert und durch die souveränen Staaten von Binnen- in Grenzzölle umgewandelt. Die prächtigen Uniformen aus dem 19. Jahrhundert, von denen im Museum ein gutes Dutzend zu sehen sind, zeigen aber erneut, welch bedeutende Rolle der Zöllner im Staat nach wie vor spielte. Der Zoll hat sich bis heute noch vielfach gewandelt – die Schritte von der ersten deutschen Zoll-Vereinigung, dem Deutschen Zollverein 1834, über das Kaiserreich und die NS-Zeit, bis zur Gründung der Bundesrepublik und schließlich der Europäischen Union sind in der Ausstellung zu verfolgen. Früher war das Einnehmen von Zöllen die Hauptaufgabe der Zöllner, heute sind es eher der Verbraucher- und Umweltschutz. Immer wieder gerät der Zoll in die Schlagzeilen, wenn er Schmugglerverstecke, und damit verbotene Waren wie Drogen oder Produkte aus geschützten Tierarten, entdeckt. Tricks, das Verbotene möglichst unauffällig am Zoll vorbeizuführen, sind im Museum offen dargelegt. Doch trotz erstaunlichem Einfallsreichtum kamen die Zollbeamten den jeweiligen Schmugglern, deren Verstecke ausgestellt sind, auf die Schliche. So war die unschuldig aussehende Madonna mit der Pistole im Bauch verdächtig schwer, die Felder des mit Heroin gefüllten Schachbretts zu uneben, und der Tourist mit der präparierten Golfausrüstung reiste zur falschen Jahreszeit nach Deutschland ein. Durch beschlagnahmte Waren häufte der Zoll im Laufe der Zeit eine kurios-brisante Sammlung an – von ausgestopften Amphibien über große Schwarzbrennanlagen bis hin zu allen Arten von Waffen. Vor der Eröffnung des Museums konnten nur Fachkreise Einblick in die Sammlungen des Zolls, die im Zollkriminalinstitut in Köln aufbewahrt wurden, bekommen. Da die Zollverwaltung aber ihre Bestände einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen wollte, sah sie sich nach einem geeigneten Museumsgebäude um. Als das Hamburger ehemalige Zollamt “Kornhausbrücke” ins Gespräch kam, war schnell klar, daß es für die Unterbringung des Deutschen Zollmuseums hervorragend geeignet wäre. Denn durch seine Geschichte als eines der bedeutendsten deutschen Zollämter (bis 1985 in Betrieb) und durch seine Lage im zolltechnischen Ausland – dem Hamburger Freihafen – ist es selbst Teil der musealen Darstellung. Ergänzt wird die Authenzität des zum Museum gewordenen Zollamtes durch eine schwimmende Zollanlage am anliegenden Zollkanal und nicht zuletzt durch die Mitarbeiter, bei denen es sich um “echte” Zollbeamte bzhandelt. Sie kennen so manch ein Ausstellungssstück aus eigener Erfahrung und freuen sich, daß im Museum ihrem Beruf Respekt gezollt wird.





