Gab es vielleicht früher einmal Leben? Diese Frage steht oft im Zentrum der Erforschung des Mars, denn man geht davon aus, dass unser Nachbarplanet vor Jahrmilliarden einmal flüssiges Wasser auf seiner Oberfläche besaß. Im aktuellen Fall rücken die Astrobiologen Dirk Schulze-Makuch von der Washington State University und Ian Crawford von der University of London nun allerdings einen überraschend anderen Himmelskörper in den Fokus: unseren Mond. Heute ist er bekanntlich alles andere als lebensfreundlich. Durch seine langsame Rotation und seine äußerst dünne Gashülle kommt es auf der Mondoberfläche zwischen der Tag- und der Nachtseite zu enormen Temperaturunterschieden von heißen 130 bis frostigen minus 160 Grad Celsius. Flüssiges Wasser hat unser Trabant ebenfalls nicht zu bieten und außerdem ist seine Oberfläche dem Teilchenstrom von der Sonne schutzlos ausgeliefert. Leben, wie wir es von der Erde kennen, ist unter solchen Bedingungen nicht möglich.
Lebensfreundlich in seiner heißen Jugend?
Doch wie die Forscher erklären, könnte der Mond einst phasenweise ganz andere Merkmale besessen haben und zwar in seiner geologisch aktiven Jugend. Konkret geht es um die Zeit vor etwa 3,5 Milliarden Jahren, als der Himmelskörper noch von vulkanischer Aktivität geprägt war. Schulze-Makuch und Crawford zufolge sprechen neueste Erkenntnisse über die Merkmale des Mondes dafür, dass er damals große Mengen überhitzter flüchtiger Gase – einschließlich Wasserdampf – aus seinem Inneren befördert hat. So könnte sich vorübergehend flüssiges Wasser auf der Oberfläche gebildet haben, sowie eine Atmosphäre, die diese Mond-Gewässer über Jahrmillionen hinweg erhalten konnte.
Diese Spekulationen der Forscher basieren auf Ergebnissen der jüngsten Weltraummissionen und Analysen von Mondgesteinen. Sie zeigen, dass der Mond auch heute nicht so trocken ist wie lange angenommen: Es gibt Hinweise auf hunderte Millionen Tonnen Wassereis unter der Mondoberfläche. Zusätzlich gibt es Vermutungen, wonach eine große Menge Wasser im Mondmantel lagert, das sehr früh in der Entstehungsgeschichte des Mondes dort abgelagert worden sein könnte. Außerdem sei es denkbar, dass auch der Mond vor etwa 3,5 Milliarden Jahren noch ein Magnetfeld besessen hat, das Lebensformen an der Oberfläche vor den tödlichen Sonnenwinden hätte schützen können, sagen die Forscher.
Genesis oder Besiedelung von der Erde aus
Theoretisch hätte damals ähnlich wie auf der Erde Leben entstehen können. Das wahrscheinlichere Szenario wäre allerdings, dass Organismen von der Erde aus den Mond erreicht haben und dort weiterexistierten. Meteoriteneinschläge könnten sie auf den benachbarten Himmelskörper geschleudert haben, sagen die Forscher. Der Zeitrahmen dafür passt: Der früheste Beweis für das Leben auf der Erde stammt von fossilen Cyanobakterien, die zwischen 3,5 und 3,8 Milliarden Jahre alt sind. Während dieser Zeit prasselten auf die Himmelskörper des Sonnensystems noch viele Meteoriten.





