1895 hat Konrad Röntgen seine Röhre in Betrieb genommen und ein Jahr später Antoine Henri Becquerel die Strahlung des Urans entdeckt. Seit dieser Zeit werden auch die biologischen Strahlenwirkungen erforscht, laut bild der wissenschaft aber mit sehr zweifelhaften Ergebnissen, denn Sie stellen „unbequeme Fragen an die Strahlenmedizin”.
Vielleicht lassen Sie auch einmal einen alternativen Wissenschaftler zu Wort kommen, der das Perpetuum Mobile propagiert, und stellen dann unbequeme Fragen an die Energietechniker.
Faktor 50 höhere Wirkung bei inkorporierter Radioaktivität? Die Wirkung von Elektronen, Gammaquanten und Alphateilchen in einer Zelle ist völlig unabhängig davon, wo diese Teilchen herkommen, aus einer benachbarten Blutader oder von außerhalb des Körpers. Man darf das nicht mit der unterschiedlichen Wirkung von Neutronen vergleichen. Neutron ist Neutron, egal woher, aber verschiedene biologische Objekte reagieren unterschiedlich. Im Strahlenschutz wird mit einem Faktor 20 der Wirkung gegenüber einer gleichen physikalischen Gammadosis gerechnet. Das ist ein Mittelwert, über dessen Anwendbarkeit bei unterschiedlichen Objekten durchaus diskutiert werden kann.
Ihr Artikel ist so wie leider immer in den Medien: Irgendetwas wird isoliert betrachtet und die ganze übrige Welt darüber vergessen. Unsere Welt ist von Natur aus nun einmal radioaktiv. Wie sehen denn epidemiologische Studien an der Bevölkerung von Kerala und Brasilien aus, und an Flugpersonal, und wie hoch ist dort die Ortsdosisleistung? Typisch, dass Sie japanische Gerichtsurteile erwähnen. Unsere technische Welt wird von Nichttechnikern beurteilt und (fehl?)geleitet.
Dr. Hermann Hinsch, per E-Mail
Sehr geehrter Herr Dr. Hinsch, Sie schreiben: „Die Wirkung von Elektronen … in einer Zelle ist völlig unabhängig davon, wo diese Teilchen herkommen …”. Das ist unbestritten. Sie erwähnen nicht, dass das Wissen, das wir über die Wirkung ionisierender Strahlung haben, im Wesentlichen statistischer Natur ist: Ausgehend von epidemiologischen Untersuchungen schließen wir auf die Wirkung einer bestimmten Strahlendosis. Will man die daraus resultierenden Schlussfolgerungen auch zur Berechnung der Wirkung inkorporierter radioaktiver Teilchen benutzen – was man heute tut –, muss man annehmen, dass keine nichtlinearen Effekte hinzukommen. Über die Richtigkeit dieser Annahme wissen wir derzeit so gut wie nichts.
Dr. Axel Tillemans, Autor des Beitrags
Ich vermisse eine Berichterstattung, die auch die Haltung von prominenten Wissenschaftlern wie dem US-Amerikaner Gale oder russischen Experten mit Tschernobylerfahrung berücksichtigt und sich weniger auf Außenseiter wie Herrn Sawada stützt. Stattdessen bekommen wir auch bei Ihnen das in den hiesigen Medien übliche Infotainment serviert.
Leser dieser Artikel haben vielleicht den Eindruck, dass die Mehrheit der Japaner die Strahlenproblematik genauso wie die deutsche Öffentlichkeit sieht. Auf Seite 84 desselben Heftes steht groß gedruckt: „Vorsicht beim Übertragen des eigenen Weltbildes auf andere Teile der Erde!”
Wenn sich nach dem Reaktorunfall ein renommiertes deutsches Orchester weigert, ein Gastspiel in Tokio anzutreten, weil die Musiker Angst um ihre Gesundheit haben, und zahlreiche Deutsche panikartig das Land verlassen, mag man hierzulande volles Verständnis aufbringen. Japaner nehmen das irritiert, aber wohl eher mit diskreter Verachtung für so eine jämmerliche Haltung zur Kenntnis. Gegenüber meiner japanischen Verwandtschaft habe ich mich jedenfalls von „den Deutschen” distanziert.
Dr. M. Göhler, per E-Mail
Gemeinsam sind wir schwach
Heft 3/2012
Das war für bild der wissenschaft, das ich seit Jahrzehnten gerne lese, etwas „dünn”. Die Beobachtungen sind richtig, fast trivial richtig, wie jeder weiß, der viele Jahre an Meetings teilgenommen hat. Aber die beiden entscheidenden Gesichtspunkte für Meetings fehlen.
Zum einen kommt es auf die Aufgabe an, die man der Gruppe stellt. Zehn Menschen finden eine verlorene Brille auf der Wiese schneller als einer, aber sie sind nicht in der Lage, ein Gedicht auf dem Niveau von Goethe zu schreiben. Die sogenannte Schwarmintelligenz ist nur für bestimmte Aufgaben lösungsfähig, meistens nicht für das bahnbrechend Neue (man vergleiche die Rezension zu „Genie oder Spinner” von Jürgen Schäfer auf Seite 95 desselben Hefts).
Zum anderen dienen sehr viele Meetings aus der Sicht des Initiators gar nicht dem Erkenntnisgewinn, sondern der Einbeziehung vieler in die Verantwortung sowie der Befriedung und Ausschaltung späterer Kritik, weil ja jeder Gelegenheit hatte, sich zu äußern.
Detlev J. Piltz, per E-Mail
Bei Schätzaufgaben helfen natürlich die Statistik und viele Proben, aber das hat nichts mit Team oder Gruppen zu tun. Das ist eben nur Statistik. Wenn fremde Menschen zusammen ein Thema diskutieren oder in Experimenten Entscheidungen treffen sollen, dann ist das vielleicht eine Gruppe, aber noch lange kein Team.
Ein Team setzt Bindung und Vertrauen voraus, dies kann man unter anderem bei den Verhaltensbiologen nachlesen. Dieses Sammelsurium an Experimenten und Behauptungen im Beitrag „ Gemeinsam sind wir schwach”, das alles Mögliche unqualifiziert in einen Topf wirft, ist Ihres Magazins nicht würdig.
Jürgen Groß, per E-Mail





