All dies geschieht auf der Basis stupender Quellen- und Literaturkenntnis, mit Hilfe derer die Ausführungen immer wieder mit plastischen Beispielen untermauert werden. Zwanglos eingestreut sind aber auch methodische Überlegungen zur Quellenkritik und ihren Problemen, so dass das Buch dem interessierten Laien ebenso wie den professionell mit Geschichte befassten Lesern wertvolle Informationen und Anregungen bietet.
Ein wenig zurück tritt da‧gegen die Funktion des Hofes als Ort der Politik, etwa mit seinem Verfahren vertraulicher Willensbildung und Vorbereitung von Entscheidungen, mit den verdeckten Einflussmöglichkeiten aufgrund von Nähe oder des gezielten Einsatzes von Ungnade. Interessant sind auch die politischen Interaktionen des Hofes mit einer mittelalterlichen Öffentlichkeit, durch die politische Absichten in soziale Praxis überführt und damit verbindlich gemacht wurden. Darüber hätte man gern etwas gehört, denn schließlich waren es die Fürsten, früher als „Totengräber der Königsmacht“ diffamiert, die die politische Kultur des spätmittelalterlichen Reiches nachhaltig prägten.
Rezension: Althoff, Gerd




