Ringelwürmer, auch genannt Anneliden, zählen zu den ökologisch am weitesten verbreiteten Tierstämmen der Welt. Zu ihnen zählen die Borstenwürmer (Polychaeta), die vor allem im Meer vorkommen, die Wenigborster (Oligochaeta), zu denen unter anderem Regenwürmer zählen, sowie die Blutegel (Hirudinea), die meist in Süßwasserseen leben. Manche Ringelwürmer sind ausgezeichnete Schwimmer, andere graben sich durch den Boden und wieder andere pflegen ein sesshaftes Leben am Meeresgrund. Doch wann ist diese Vielfalt entstanden? Diese Frage ist schwierig zu beantworten, denn aufgrund ihres weichen Körpers verrotten die Würmer nach ihrem Tod schnell und bleiben selten als Fossilien erhalten. Bei den meisten bisher gefundenen Ringelwurm-Fossilien handelt es sich um zweidimensionale Abdrücke der Körper, die auf ein Alter von weniger als 521 Millionen Jahren datiert werden.
Mineralisierte Körper
Doch nun hat ein Team um Xiaofeng Xian von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Nanjing sieben dreidimensional erhaltene Körperfossilien von Ringelwürmern entdeckt, die mit einem Alter von rund 535 Millionen Jahren aus der frühsten Epoche des Kambriums stammen, dem Fortunium. Damit stellen die Funde aus Südchina die ältesten bisher bekannten fossilen Zeugnisse dieses Tierstamms dar.
Wie Xian und seine Kollegen feststellten, bestehen die versteinerten Körper überwiegend aus dem Mineral Kalziumphosphat. „Eine Außenhaut oder innere Strukturen sind nicht erhalten“, berichten die Forschenden. „Das deutet darauf hin, dass die Fossilmineralisierung einsetzte, nachdem die inneren Strukturen bereits zerfallen waren, jedoch noch bevor die widerstandsfähigere Außenhaut vollständig verrottet war. Diese wurde schließlich abgebaut und hinterließ eine mineralisierte innere Form.“

Zwei neue Arten
Anhand dieser über die Jahrmillionen erhalten gebliebenen Formen identifizierten die Forschenden zwei neue Arten. Beide weisen längliche, segmentierte Rümpfe mit deutlichen Rillen zwischen den Segmenten auf sowie paarweise Auswüchse an den einzelnen Segmenten, sogenannte Parapodien, die sich allerdings in ihrer Länge unterscheiden. Laut Xian und seinen Kollegen deutet das darauf hin, dass die gefundenen Exemplare unterschiedliche ökologische Nischen besetzten und sich unterschiedlich fortbewegten.





