Bekanntlich haben sich diese Prognosen nicht erfüllt. Doch Friedrichs Nachfolger, sein Neffe Friedrich Wilhelm II., hatte unter diesen Vorhersagen einen denkbar schlechten Stand. Bis heute ist das populäre Bild dieses Preußenkönigs von den Verdikten seines Onkels bestimmt. Brigitte Meier, die an der Europa-Universität in Frankfurt (Oder) lehrt hat Friedrich Wilhelm II. nun eine detailreiche Studie gewidmet. Das Buch liest sich angenehm und ist auch für historisch interessierte Laien leicht verständlich. Doch zugleich wird es wissenschaftlichen Ansprüchen gerecht.
Basis der Arbeit sind umfangreiche Archivrecherchen. Diese Quellen ergeben ein anderes Bild Friedrich Wilhelms II., als jenes, das Friedrich der Große mit seiner düsteren Prognose begründet hat. Die Staatsräson, bilanziert Brigitte Meier, habe alle Aktivitäten des Königs dominiert. Auch seine tiefe Religiosität erfährt eine andere Wertung, als dies bislang häufig geschehen ist: Sein Bemühen, „seine protestantischen Untertanen zum wahren Glauben zurückzuführen, und gleichzeitig den anderen Konfessionen einschließlich der Juden Religionsfreiheit zuzugestehen, zeugen von einem Herrschaftsverständnis, das sich am Wohlergehen aller seiner Untertanen und somit am Staat orientierte.“ Dabei ist Brigitte Meier keineswegs unkritisch. Doch schreibt sie etwa das Ausbleiben dringend notwendiger Reformen im Inneren nicht dem Einfluss der viel kritisierten Günstlinge Wöllner und Bischofswerder zu, sondern sieht den Grund bereits in der Erziehung des Königs selbst angelegt. Es sei Friedrich Wilhelm nicht gelungen, seine Bildungslücken gerade in den so wichtigen Gebieten der Wirtschaft und der Verwaltung durch die Berufung fähiger Beamter zu schließen.
Rezension: Oster, Uwe A.




