von CLAUDIA EBERHARD-METZGER
Nicht nachplappern – nachschauen! So lautete Leonardo da Vincis Motto bei jedem seiner Projekte, vor allem aber bei einem, mit dem er sich ab 1487 beschäftigte und das ihn nicht mehr losließ: dem Sezieren von Leichen. Dutzende von Frauen und Männern aller Altersstufen schnitt da Vinci auf und erkannte, dass das Herz vier Kammern hat und mitnichten ein Organ ist, das Blut erwärmt – wie man zunächst dachte –, sondern ein kraftvoller Muskel, der Blut durch den ganzen Körper pumpt. Er betrachtete auch die Blutgefäße und hielt zeichnerisch fest, wie sie sich im Lauf des Lebens verändern: In der Jugend noch gerade und elastisch, krümmen sie sich im Alter wie Serpentinen und versteifen, am Herzen und auch an anderen Stellen des Körpers. Alte Menschen sterben, folgerte da Vinci, weil „ihre Adern verdicken und dem Körper nicht mehr genug Nahrung zuführen“. Damit beschrieb und skizzierte er um 1507 als Erster die Arteriosklerose. Diesen Namen erhielt die Gefäßerkrankung allerdings erst 1829 von dem deutschen Pathologen Johann Lobstein, der sie als „Zunahme der Dicke und Härte der Arterienwandung“ beschrieb.





