Viele vor allem der frühen Texte stammen von Männern für Männer, wie Ohler eingangs hervorhebt – Spiegel der männlich dominierten Institutionen. Dennoch können die Leser auf eine ertragreiche Entdeckungsreise gehen und lernen etwa Radegunde (um 520 – 587) kennen, Tochter eines thüringischen Königs und Frau des Frankenkönigs Chlothar. Sie lebte asketisch, widmete sich den Armen und Kranken, trennte sich schließlich von ihrem Mann und gründete 558 in Poitiers ein Kloster. Andere Texte erzählen von selbstbewussten Beginen, die, den Klerikern zuweilen ein Dorn im Auge, ihre tätige Nächstenliebe geschickt verteidigten. Frauen wurden des Öfteren angefeindet; ja auch die Frage, ob Frauen überhaupt als Menschen bezeichnet werden können, erschien um 585 nicht abwegig.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger




