Fossile Knochen können auch Auskunft über Wachstum, Lebensumstände und Verhaltensweisen längst ausgestorbener Arten geben. Dies ist das Forschungsergebnis des Paläontologen Professor Hans-Ulrich Pfretzschner vom Institut und Museum für Geologie und Paläontologie der Universität Tübingen.
Um Aussagen über das Knochenwachstum der Fossilien und deren spezielle Anpassungen an Umweltbedingungen treffen zu können, fertigen Pfretzschner und sein Team Dünnschliffe an. Diese machen die Knochenmikrostruktur, also Knochenzellen, Kanälchen, frühere Blutgefäße und auch Spuren des Knochenumbaus sichtbar. Die Forscher können dabei sehr genau zwischen Phasen des ständigen Knochenwachstums und Phasen mit Wachstumspausen (sogenannte LAGs, lines of arrested groth) unterscheiden.
Bei Dinosaurierknochen aus dem Jungga-Becken im Nordwesten Chinas stellte Pfretzschner bis zu acht solcher LAGs fest ? und das, obwohl es sich um einen schnell wachsenden Knochen aus dem Jura (vor rund 160 Millionen Jahren) handelte. Ein Phänomen, das dem Forscher bislang nur von Raub-Sauriern aus dem Südpolargebiet bekannt war, die eine Winterruhe einhielten. “Das Jungga-Becken muss demnach einem starken jährlichen Wechsel unterlegen sein. Vielleicht herrschte ein Megamonsunklima, dessen kühle und trockene Winter kaum Wasser für Pflanzen und Tiere bereithielten”, so Pfretzschner. Die Jahrringe fossiler Bäume aus dem Jungga-Becken stützen diese Vermutung.
Auch die Entstehung und Entwicklung der Kommentkämpfe (Balzkampf der Männchen) wollen die Forscher näher untersuchen. So sollen Untersuchungen am Mikroskop zeigen, wie zum Beispiel bei Hirschen der Wechsel von Kämpfen mit Eckzähnen zu Kämpfen mit Stirngeweih abgelaufen ist.
Um in Zukunft gezielt nach Fossilien suchen zu können, wollen Pfretzschner und sein Team auch den Ablauf der Fossilisation der Knochen genauer untersuchen. Bei der Fossilienbildung wird der Kollagengehalt im Knochen vollständig durch Calciumphosphat ersetzt.
Birgit Kahler





