Da wir aufgrund des Umstands, dass wir lange Zeit reiten, glauben, in der Reitkunst Erfahrungen gesammelt zu haben, wollen wir auch den jüngeren von unseren Freunden vor Augen führen, wie sie nach unserer Meinung in der richtigen Weise mit Pferden umgehen dürften“, schreibt der griechische Philosoph, Historiograph und Söldnerführer Xenophon in seiner um 360 v. Chr. entstandenen kleinen Schrift „Über die Reitkunst“. Xenophon stellt darin sein stupendes Fachwissen unter Beweis: Er gibt Ratschläge für den Pferdekauf, für die Haltung der Tiere, ihre Fütterung und Pflege sowie die Dressur für den militärischen Einsatz. Mit Pferden umgehen zu können wurde von griechischen Aristokraten – und Xenophon fühlte sich durch und durch als Aristokrat – selbstverständlich erwartet. Ebenso natürlich war es, dass Experten ihr Wissen weitergeben wollten. Xenophon wählte hierfür die Schrift, ein Medium, das in den 300 Jahren vor ihm Weitergabe und Erwerb von Wissen revolutioniert hatte.
Schrift war, nach griechischem Verständnis, eine „Technik“: Téchne, ein wahres Chamäleon von Wort, hat viele Bedeutungen. Sie ist das kunstfertige Vorgehen, das man benötigt, um Dinge herzustellen, gleichsam die Methode, zugleich die intellektuelle Gabe, das Genie. Der antike Technik-Begriff ist, anders als unsere heutige Vorstellung von Technik als etwas rein Gegenständlichem, konkret an menschliches Handeln gebunden: Es gibt keine téchne, außer man tut sie. Téchne bezeichnet aber auch das Produkt selbst; sie kann Erfindung oder Apparatur sein. Téchne ist schließlich ein Kunstgriff, ein Trick, mit dem man Regeln biegen oder Leute hereinlegen kann. …
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 07/2014.
Prof. Dr. Michael Sommer




