Amerikanische Forscher beobachten Klimaveränderungen auf der Erde mithilfe des Mondes: Sie betrachten dazu das von den Wolken über der Erde auf den Mond geworfene Licht und schließen daraus auf die durchschnittliche Bewölkung. Diese hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten abgenommen und ist nun innerhalb von nur drei Jahren wieder auf den ursprünglichen Wert angestiegen. Das berichten Astronomen vom New Jersey Institute of Technology in der Fachzeitschrift Science (Bd. 304, S. 1299).
Die Wissenschaftler um Steven Koonin verfolgen seit vielen Jahren, wie viel Sonnenlicht von der Erde reflektiert und auf den Mond geworfen wird. Je mehr Wolken am Himmel vorhanden sind, desto mehr Licht stahlt die Erde in den Weltraum. Aus der Messung des Rückstrahlvermögens, von den Astronomen auch Albedo genannt, können daher Rückschlüsse auf die Bewölkungsverhältnisse und damit auch auf Klimaänderungen gezogen werden. Die Albedo kann zwar mittels Satellitenfotos bestimmt werden, was jedoch sehr aufwändig ist, da die Wolken nicht gleichmäßig über die Erdkugel verteilt sind.
Koonin entdeckte bereits vor 14 Jahren mit der Messung des auf den Mond fallenden Lichts ein weitaus einfacheres Verfahren zur Bestimmung der Albedo der Erde: Kurz nach Neumond, wenn nur eine schmale Sichel des Mondes von der Sonne beleuchtet wird, ist das gespiegelte Erdlicht mit bloßem Auge zu beobachten. Der Erdtrabant erscheint dann in einem fahlen Licht zu leuchten. Dieses Licht ist durch die fehlende Mondatmosphäre sehr gleichmäßig und leicht auszuwerten.
Die Beobachtungen wurden erst sporadisch, seit 1997 jedoch systematisch durchgeführt. Bei der Auswertung zeigte sich nun eine stetige Abnahme des reflektierten Sonnenlichts zwischen den Jahren 1985 und 1995. In den darauf folgenden beiden Jahren sank der Wert schneller als zuvor und blieb dann bis zum Jahr 2001 stabil. Die Astronomen führen die nachlassende Reflektion teilweise auf den Klimawandel auf der Erde zurück.
In den vergangenen drei Jahren erhöhte sich die Wolkenzahl und deren Dicke jedoch drastisch und damit wurde auch das von der Erde reflektierte Licht wieder heller. Aktuell strahlt die Erde wieder so hell wie zu Beginn der Beobachtungen Mitte der 90er Jahre. Die Wolkenzahl werde durch viele Faktoren beeinflusst und sei starken Schwankungen unterworfen, so Koonin. So sei nach wie vor ungeklärt, wie sich beispielsweise der 11-jährige Zyklus der Sonnenflecken auf die Dichte der Bewölkung auf der Erde auswirke. Ein Netz aus insgesamt acht vollautomatischen Beobachtungsstationen soll nun dabei helfen, die Schwankungen der Albedo noch präziser auszuwerten und damit das komplexe Klimasystem der Erde besser zu verstehen.
ddp/bdw ? Oliver Schmid





