Anatomisch moderne Menschen erschienen zum ersten Mal vor etwa 130.000 Jahren in Ostafrika. Bis aus den Jägern und Sammlern sesshafte Bauern wurden, vergingen endlose Jahrtausende ? 120, um genau zu sein. Daran könnte das sprunghafte Eiszeitklima schuld gewesen sein, argumentieren Joan Feynman und Alexander Ruzmaikin vom Jet Propulsion Laboratory auf der Tagung der American Geophysical Union in New Orleans.
Die Erfindung der Landwirtschaft war eines der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte der Menschheit. Dank Ackerbau und Viehzucht konnten aus wandernden Nomaden sesshafte Dorfbewohner werden. Da nicht mehr jedes Stammesmitglied für die Nahrungssuche gebraucht wurde, entwickelten sich neue, spezialisierte Berufsgruppen, zum Beispiel Händler und Handwerker.
Doch warum kam der Homo sapiens erst so spät in seiner Geschichte auf die Idee, Tiere zu domestizieren und Pflanzen anzubauen? Feynman und Ruzmaikin weisen darauf hin, dass es nicht daran gelegen haben kann, dass die “Erfindung” der Landwirtschaft besonders schwierig war. Immerhin entstand sie in fünf menschlichen Kulturen unabhängig voneinander. Ihrer Meinung nach war das Klima schuld: Seit der moderne Mensch sich entwickelt hatte, vor etwa 130.00 Jahren, befand es sich auf einer ständigen Achterbahnfahrt.
Verschiedene Klimaarchive, die die letzte Warmzeit und die darauf folgende Eiszeit umfassen, zeigen, dass die Temperaturen auch innerhalb der Warmzeit nicht länger als 300 bis 700 Jahre stabil blieben. Dann änderte sich das Klima innerhalb weniger Jahrzehnte drastisch, teilweise stiegen oder fielen die Temperaturen um bis zu zehn Grad. Auch die letzte Eiszeit war nicht durchgehend kalt, sondern wurde von abrupten Erwärmungen unterbrochen, die nach kurzer Zeit wieder endeten.
Unter diesen Bedingungen, so argumentieren die Forscher, war eine erfolgreiche Landwirtschaft nicht zu etablieren. Erst vor 11.000 Jahren, mit dem Ende der letzten Eiszeit, stabilisierte sich das Weltklima so weit, dass der Anbau von Ackerpflanzen möglich wurde.
Ute Kehse





