Viele Tierweibchen weisen rund um den Eisprung deutliche körperliche Veränderungen auf. So schwillt etwa bei weiblichen Pavianen der Genitalbereich während der fruchtbaren Tage stark an und signalisiert so die Paarungsbereitschaft. Bei Menschenfrauen hingegen findet der Eisprung meist unbemerkt statt. Eine gängige Erklärung dafür war bisher, dass der versteckte Eisprung den evolutionären Nutzen hatte, Paarbeziehungen zu festigen: Da der Mann nicht sicher sein konnte, wann genau die Frau fruchtbar war, musste er viele Nächte mit ihr verbringen, um seine Fortpflanzungschancen zu erhöhen. Diese sogenannte “Male Investment”-Hypothese wurde zwar regelmäßig zitiert, empirisch aber noch nicht überprüft.
Interaktionen zwischen Frauen
Ein Team um Jaimie Arona Krems von der Oklahoma State University hat nun eine alternative Hypothese aufgestellt und getestet. „Die bisherige Forschung hat sich weitgehend darauf konzentriert, welche Vorteile Frauen hatten, wenn sie ihren Eisprung vor Männern verbergen“, so die Forscher. „Im Gegensatz dazu schlagen wir vor, dass Frauen Vorteile dadurch erlangt haben könnten, dass sie ihren Eisprung vor anderen Frauen verborgen haben.“
Co-Autorin Athena Aktipis von der Arizona State University erklärt: „Ich habe jahrelang über die Male-Investment-Hypothese gegrübelt, und weil man mit einer verbalen Hypothese nicht argumentieren kann, habe ich angefangen, daran zu arbeiten, wie man sie testen kann.“ Zur gleichen Zeit erforschte sie die weibliche Sozialität. „Dabei fiel mir auf, dass Frauen gegen andere Frauen aggressiv sein könnten, die Hinweise auf den Eisprung zeigen, was dann einen Vorteil für das Verbergen des Eisprungs bedeuten würde.“
Computersimulation für weibliches und männliches Verhalten
Um diese Hypothese zu testen, haben die Forscher eine sogenannte agentenbasierte Modellierung entwickelt. Bei dieser Art der Modellierung werden die Individuen durch sogenannte Agenten repräsentiert, deren Verhalten jeweils programmiert und analysiert werden kann. Jedes Individuum folgt einem bestimmten Satz von Regeln und kann mit anderen Individuen und mit der Umwelt interagieren. In dem Modell von Krems und Kollegen folgten die simulierten Frauen und Männer Regeln bezüglich ihrer Bewegung, ihrer Attraktivität und ihres Fortpflanzungsverhaltens.
Die männlichen Individuen im Modell unterschieden sich in Bezug auf ihre Promiskuität. Promiskuitive Männer gingen keine festen Partnerschaften mit Weibchen ein, um bei der Aufzucht zukünftiger Kinder zu helfen, während Männer, die nicht promiskuitiv waren, in der Nähe blieben, um Ressourcen zu teilen und zukünftige Kinder zu unterstützen. Die simulierten Frauen hatten entweder physische Anzeichen, die anzeigten, wann sie ihren Eisprung hatten, oder der Eisprung fand versteckt statt. Sie konnten auch gegeneinander aggressiv werden. Im Laufe der Simulation interagierten die Frauen und Männer miteinander und hatten die Möglichkeit, sich fortzupflanzen und elterliche Partnerschaften zu bilden.





