Im Vergleich zu aktuellen Passagierflugzeugen, die auf Langstrecken mit etwa 800 bis 900
Kilometern pro Stunde unterwegs sind, würden zivile Überschallflugzeuge mit mindestens 1.235 Kilometern pro Stunde und damit oberhalb der Schallgeschwindigkeit fliegen. Das spart Zeit, bringt aber gleichzeitig ein großes Problem mit sich. Denn physikalisch geht eine Verdopplung der Geschwindigkeit mit einer Vervierfachung des zu überwindenden Luftwiderstands einher – was wiederum den Treibstoffverbrauch enorm in die Höhe treibt. Das macht die Überschallfliegerei teuer.
Ein weiteres Problem ist der Überschallknall, eine Schockwelle, die sich während des Flugs permanent hinter dem Flugzeug herzieht und überall am Boden deutlich zu hören ist. Sowas ist natürlich nicht optimal, weil die meisten Menschen es nicht mögen, wenn sie morgens ab fünf Uhr von lautem Knallen und anschließendem Hundegebell um ihren Schlaf gebracht werden.
Doch die Treibstoffeffizienz hat sich in den vergangenen 50 Jahren stark verbessert. Und beispielsweise der US-amerikanische Flugzeughersteller Lockheed Martin entwickelt mit der NASA aktuell ein intelligentes Flügeldesign, durch das die Lautstärke des Überschallknalls um ein Vielfaches reduziert wird. Im Zuge dieser Entwicklungen haben wir in den letzten zehn Jahren auch mehrere Start-ups gesehen, die versucht haben, neue Überschall-Passagierflugzeuge an den Start zu bringen – meist jedoch mit wenig Erfolg: Das US-amerikanische Start-up Aerion Supersonic scheiterte 2021, weil es ihm nicht gelang, das für den Produktionsstart seines Flugzeugs erforderliche Kapital aufzubringen. Ein weiteres Start-up, Exosonic, stellte letztes Jahr aus dem gleichen Grund die Arbeit ein. Offenbar gibt es zu wenige Investoren, die bereit sind, Geld in die Unternehmen zu stecken, weil fraglich ist, ob die Projekte jemals rentabel sein werden.
„Baby Boom“ durchbricht die Schallmauer
Ein Unternehmen, das bisher überlebt hat, ist das ebenfalls in den USA ansässige Start-up Boom Supersonic, das kürzlich mit seinem Prototyp „Baby Boom“ Schlagzeilen machte. Wenn Sie mich fragen, klingt der Name nach einem Plastik-Schlagzeug für Kleinkinder, aber tatsächlich handelt es sich dabei um ein kleines, zweisitziges Überschallflugzeug. Bei einem Testflug über der Mojave-Wüste in Südkalifornien im Januar 2025 durchbrach Baby Boom als erstes ziviles Luftfahrzeug seit dem letzten Flug der Concorde im Jahr 2003 die Schallmauer und erreicht 1,2-fache Schallgeschwindigkeit, also etwa 1.500 Kilometer pro Stunde.
Anders als damals bei der Concorde war bei Baby Boom jedoch kein Überschallknall am Boden zu hören. Grund dafür ist ein physikalisches Phänomen, das als „Mach-Cutoff“ bezeichnet und von Boom Supersonic gezielt ausgenutzt wird. Es tritt auf, wenn ein Überschallflugzeug in großer Höhe unterwegs ist. Aufgrund des geringen Luftdrucks breiten sich die Schallwellen des Überschallknalls dort zunächst langsamer aus. Auf dem Weg nach unten nimmt jedoch der Luftdruck und damit auch Geschwindigkeit der Schallwellen immer weiter zu, wodurch der Überschallknall zunehmend abgelenkt und oberhalb einer sogenannten Sperrhöhe wieder nach oben zurückgeworfen wird. Es funktioniert ähnlich wie eine Fata Morgana in der Wüste, nur mit Schallwellen anstelle von Lichtstrahlen.





