von FRIDA KOCH
Der Konsum von Fischen und anderen Meerestieren steigt. Lag er in den 1960er-Jahren weltweit noch bei knapp 10 Kilogramm pro Kopf und Jahr, waren es 2019 bereits 20,2 Kilogramm. 2020 wurden laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) 157 Millionen Tonnen Meerestiere für den menschlichen Verzehr gefangen oder produziert. Weitere etwa 20 Millionen Tonnen wurden zu Fischmehl und Fischöl verarbeitet.
Von den insgesamt 178 Millionen Tonnen stammten 90 Millionen Tonnen aus Fangfischerei, 88 Millionen Tonnen aus Aquakulturen. Die Produktion aus Aquakultur verzeichnet immense Zuwachsraten, während die Menge aus Fischfang stagniert. Steigerungen sind in diesem Bereich nicht mehr möglich, so die FAO, da etwa 60 Prozent aller nutzbaren Fischbestände maximal befischt und mehr als 30 Prozent bereits überfischt sind.
Doch auch die Aquakultur hat ihre Probleme: Immer mehr und größere Anlagen beanspruchen Platz, Rückstände von Medikamenten oder Chemikalien, Fischkot und Nahrungsreste belasten die Fische und das Wasser. Zudem werden die Zuchtfische in den Aquakulturen oft mit Fischmehl gefüttert, was wiederum zur Überfischung der Meere beiträgt.
Die Suche nach Alternativen
Seit einigen Jahren kommen daher als Alternative vermehrt pflanzliche Fisch-Imitate auf den Markt. Doch sie können in Puncto Nährwerte bislang häufig nicht mit echtem Fisch mithalten.
Ein Marktcheck veganer Fisch-Alternativen der Verbraucherzentrale Hamburg kam etwa zu dem Ergebnis, dass die meisten der getesteten Produkte zwischen 15 und 40 Prozent weniger Proteine enthalten als das tierische Original. Fisch enthält zudem viele langkettige Omega-3-Fettsäuren und liefert das lebensnotwendige Spurenelement Jod, das vom Körper nicht selbst gebildet werden kann. Wie lassen sich also die guten Nährwerte mit Naturschutz und geringer Schadstoffbelastung verbinden?
Fisch aus dem Bioreaktor
Ein Unternehmen, das eine mögliche Antwort auf diese Frage gefunden hat, ist das Start-up Bluu Seafood aus Berlin. Das Team aus Meeresbiologen, Molekular- und Zellbiologen, Zell- und Lebensmitteltechnikern entwickelt Fischprodukte aus Zellkulturen. Dafür werden bei Fischen Stammzellen aus Muskelgewebe entnommen und Zelllinien erzeugt, die sich unbegrenzt teilen können. In einem Bioreaktor, dem sogenannten Fermenter, werden die Zellen mit einem pflanzlichen Nährmedium zusammengebracht und kleine Zellaggregate erzeugt, sogenannte Sphäroide. In diesen Sphäroiden haften die Zellen aneinander und wachsen, während sie im Bioreaktor kontinuierlich gerührt und mit Nährstoffen versorgt werden.





