Einen möglichen neuen Ansatz für die Behandlung von Menschen mit chronischen Schmerzen hat ein deutsch-amerikanisches Forscherteam um Gabor C. Petzold von der Berliner Charité entdeckt. Die Wissenschaftler fanden heraus, wie das Gehirn wichtige Sinneseindrücke aus unwichtigen herausfiltert. Dabei spielt der Nucleus raphe dorsalis im Hirnstamm eine wichtige Rolle. Das auch „Raphekern” genannte kleine Nervengebiet ist durch Nervenfortsätze mit dem gesamten Gehirn verbunden und kann so sämtliche Sinneseindrücke erfassen, die dort ankommen – Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken.
Der Raphekern bildet auch den Botenstoff Serotonin. Jetzt gelang es Petzold erstmals, den Einfluss von Serotonin auf den Verarbeitungsprozess von Sinnesinformationen direkt zu messen. Er beobachtete mit einem Spezialmikroskop, das die Aktivität von Nervenzellen sichtbar macht, das Gehirn von Mäusen. Dabei erkannte er, dass viel Serotonin im Raphekern zu einer Verminderung bestimmter Sinneseindrücke führte, während diese bei einer geringeren Menge des Botenstoffs verstärkt wurden. Petzold vermutet, dass der Nucleus raphe dorsalis nicht nur normale Sinneseindrücke beeinflusst, sondern auch auf das Schmerzsystem wirkt und etwa Migränekopfschmerzen dämpft oder verstärkt.





