Das Liegen nenne ich eine Lebensform, weil…
sich überaus wichtige Dinge damit verbinden: das Geborenwerden, das Lieben, das Abschiednehmen. Sie lässt sich auch von den anderen Seinsweisen so wunderbar unterscheiden, weil wir uns in diesem Zustand nicht mehr in demselben Maße mit der Schwerkraft auseinandersetzen müssen, alles fällt von uns ab. Trotzdem ist der Buchtitel ein wenig ironisch gemeint, denn man muss natürlich viele andere Dinge im Leben tun, sonst würden wir bald schlapp machen. Zuviel Liegen ist nicht gesund. Und unbedingt liegen zu müssen, weil man nicht anders kann, ist wenig erfreulich.
Herumliegen hat seinen schlechten Ruf von…
all den Anstandsvertretern, die uns weismachen wollten, dass wir Haltung brauchen, um gut dazustehen, dass wir immer in Bewegung sein müssen, um etwas zu erreichen. Das ist natürlich großer Unsinn. Aktivität beginnt erst einmal im Kopf und hängt nicht davon ab, ob wir aufrecht sitzen oder zum nächsten Termin eilen.
Liegen verhält sich zum Faulenzen wie…
ein Vodka Tonic zu einem Glas Wasser. Scherz beiseite, das gelegentliche Faulenzen im Liegen hat natürlich auch seine Berechtigung. Wir müssen faul sein, um wieder produktiv sein zu können. Oder um uns einfach zu erholen.
Dass wir ein Drittel unseres Lebens liegend verbringen, macht mir…
keine Angst und bereitet mir auch keine Alpträume, weil ich viele meiner besten Ideen und Momente in dieser Position habe.
Liegen ist eine große Kunst. Und große Kunst ist im Liegen entstanden. Zum Beispiel…
schrieb Marcel Proust in seinem legendären Messingbett liegend, vor allem in seinen letzten Lebensjahren, als er in seinem mit Kork ausgeschlagenen Schlafzimmer an der Vollendung der „Suche nach der verlorenen Zeit“ arbeitete. Truman Capote hat sich einmal wie folgt geoutet: „Ich gehöre zur seltsamen Gattung der horizontalen Autoren. Ich kann nur denken, wenn ich mich lang lege und mir, während ich mir’s auf dem Bett oder auf der Couch bequem mache, Kaffee und Zigaretten zu Gemüte führe.“
Ein Leben ohne Liegen wäre wie…
Schlafen ohne Träumen.




Meine Lieblingsliege steht …

