Allerdings sollte man sich regelmäßig damit auseinandersetzen, um die langfristigen Vorteile eines solchen Gehirntrainings zu spüren. Oft entscheiden Sprachlerner daher, sich auf Sprachreisen im Ausland für einige Zeit Tag und Nacht mit der Sprache zu umgeben, und sich so den Start in den Lernprozess zu erleichtern.
Max-Planck-Forscher aus den Niederlanden haben herausgefunden, dass beim Erlernen einer neuen Fremdsprache die gleichen Hirnregionen aktiv sind wie bei der Anwendung der Muttersprache. Wenn neue Grammatik und unbekannte Wort- oder Satzstellungen geübt werden, sind die Sprachregionen des Gehirns aber deutlich aktiver, als wenn es auf altbekannte Strukturen zurückgreifen kann. Kurz: Wer sich der Herausforderung Fremdsprache stellt und die Hirnmuskeln auf einem Aufenthalt im Ausland täglich herausfordert, verzeichnet bessere Ergebnisse und damit auch langfristig anhaltende Wirkung.
In alte Muster zu verfallen ist beim Lernprozess wahrscheinlicher, wenn die Fremdsprache durch Reize aus der eigenen vertrauten Kultur blockiert wird. Gerade deshalb ist es sinnvoll, sich im Ausland eine längere Zeit mit der Kultur und der Sprache zu umgeben. So arbeitet das Gehirn in jeder wachen Minute intensiv, um neue Vokabeln und Grammatik aufzunehmen und das Sprachzentrum auszubauen.
Das Gehirn auf diese Art und Weise zu trainieren hilft auch beim Ausbau anderer Fähigkeiten. Die Universität von Chicago hat beispielsweise herausgefunden, dass bilinguale Menschen eher auf ihre eigenen Entscheidungen und Urteile vertrauen, wenn sie in der zweiten Sprache noch einmal durchdacht wurden. Im Zeitalter der Informationsüberflutung kann man sich dies zu nutzen machen – Personen, die mehr als nur eine Sprache sprechen, nehmen ihre Umgebung schließlich deutlich aufmerksamer wahr. So gelingt es ihnen, unwichtige Mitteilungen effizient herauszufiltern und irreführende Informationen schneller zu bemerken.
Im Alltag profitiert man nicht nur von einem verbesserten Filter, den das durch Fremdsprachen kräftigere Gehirn zur Verfügung stellt. Auch das Erinnerungsvermögen wird gestärkt: Sprecher zweier oder mehrerer Sprachen können sich leichter Einkaufslisten, die Namen neuer Bekanntschaften oder neue Wege in einer ungewohnten Umgebung merken. Hinzu kommt, dass der abrupte Wechsel zwischen der eigenen Muttersprache und der Fremdsprache die Fähigkeit trainiert, das gleiche auch zwischen anderen Aktivitäten zu tun. Das im Alltag so beliebte „Multi-Tasking“ ist weitaus effektiver und weniger stressig, wenn das Gehirn diese raschen Übergänge aus dem Bereich der Bilingualität gewohnt ist.





