Diese Masse ist so groß, dass man sich unweigerlich fragen muss, ob es neben so viel Exzellenz überhaupt noch „normale“ Forschung gibt. Die gibt es natürlich weiterhin, und sie hat nichts von ihrer Wichtigkeit eingebüßt. Aber wie muss sich diese fühlen, wenn sie im stetig wachsenden Schatten der Exzellenzwettbewerbe den Stempel der „Mittelmäßigkeit“ aufgedrückt bekommt?
Den vermeintlich Mittelmäßigen sei hiermit zum Trost gesagt: Exzellenz ist relativ! Was der Begriff umfasst und was nicht mehr, ändert sich je nach Bezugsrahmen und Bewertungskriterien.
Sehr schön illustriert das ein Satz der einstigen Bremer Wissenschaftssenatorin Eva Quante-Brandt, mit dem sie vor einigen Jahren das Ergebnis der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder kommentierte: „Die Spitze liegt in der Breite.“ Und die damalige Bundeswissenschaftsministerin Anja Karliczek ergänzte dazu: „Wir haben Exzellenz an vielen deutschen Hochschulen. Das ist die Stärke und die internationale Attraktivität unseres Systems.“
Schon das klingt irgendwie verdächtig. Denn sollte Exzellenz der Definition nach nicht immer und ausschließlich die absolute Spitze einer Pyramide darstellen? Und wird daher „Exzellenz“ nicht zum hohlen Begriff abgewertet, wenn sie immer mehr in die Breite geht? Wird auf diese Weise nicht heute exzellent, was es gestern noch nicht war – nur weil gewisse Evaluationskriterien weiter nach unten geschoben werden?
Betrachten wir das Ganze mal von einer anderen Seite. Sicherlich gab es zu jeder Zeit auch schlechte Forscherinnen und Forscher – und bei der nie da gewesenen Masse an aktuell Forschenden gibt es davon heute vielleicht sogar mehr denn je. Wenn wir aber kurz zurückblicken, werden wir dennoch feststellen: Es ist noch gar nicht lange her, dass das gesamte wissenschaftliche Tun grundsätzlich als exzellent galt. Forschung war in jenen Tagen etwas derart Besonderes und so weit weg vom alltäglichen Treiben, dass sie quasi per definitionem exzellent war. Jedem war das klar, da musste man gar nicht fragen, geschweige denn evaluieren. Und keiner zweifelte, dass die Wenigen, die damals Wissenschaft und Forschung betrieben, eben exzellent waren.
Nicht mehr per se exzellent
Heute scheint das nicht mehr zu gelten. Weil der Bezugsrahmen sich verschoben hat. Man misst Wissenschaft nicht mehr an anderen Bereichen der Gesellschaft, sondern vergleicht innerhalb der Wissenschaft. Und ganz automatisch haben sich damit die Maßstäbe zur Bewertung von Forschungsleistungen verschoben: Forschung gilt nicht mehr per se als exzellent – mit der Konsequenz, dass sich nur noch einige aus deren Zunft als exzellent ansehen lassen dürfen. Und diese neue Exzellenz, so scheint das Credo der Forschungspolitik, müsse man jetzt durch mehr und härtere Wettbewerbe aus weitestgehend mittelmäßiger Forschung herauskitzeln.





