In der Science-Fiction tauchen extrasolare Monde häufig auf, ein Beispiel ist der Mond Pandora aus den Avatar-Filmen. Doch im realen Kosmos machen sie sich bislang rar. Astronomen haben zwar schon einige wenige Exomond-Kandidaten entdeckt, darunter je einen Trabanten um die Gasriesen Kepler-1625b und Kepler-1708b, sowie einen potenziell vulkanischen Exomond um den Planeten WASP-49b. Allerdings verrieten sie sich nur über Unregelmäßigkeiten in der Transit-Lichtkurve ihres Planeten oder über zusätzliche Linien in seinem Spektrum.
Jetzt gibt es einen weiteren – sehr ungewöhnlichen - Kandidaten. Entdeckt haben ihn Astronomen um Kevin Hoy von der Universität Diego Portales in Chile, als sie den 73 Lichtjahre entfernten Stern CD-35 2722 genauer untersuchten. Der Zwergstern hat etwa die halbe Masse der Sonne und wird in weitem Abstand von einem Braunen Zwerg umkreist. Dieser „gescheiterte Stern“ ist rund 30 Jupitermassen schwer und trägt die Bezeichnung CD-35 2722 B.
Verräterisches Taumeln
Um mehr über dieses System zu erfahren, nahmen die Astronomen es über zweieinhalb Jahre hinweg immer wieder mit dem CRIRES+-Spektrografen am Very Large Telescope (VLT) in Chile ins Visier. In den dabei aufgezeichneten Lichtspektren suchten sie nach Hinweisen auf Schwerkrafteinflüsse möglicher weiterer Himmelskörper in diesem System. Sind solche vorhanden, erzeugen sie charakteristische Verschiebungen in den Spektrallinien. Mit dieser Radialgeschwindigkeitsmethode haben Astronomen bereits zahlreiche Exoplaneten entdeckt.

Die Astronomen suchten im Lichtspektrum des Zwergsterns CD-35 2722 und seinem Begleiter, dem Braunen Zwerg CD-35 2722 B nach Hinweisen auf weitere Objekte im System. — © ESO/ M. Kornmesser
Tatsächlich wurden Hoy und sein Team fündig. In den Spektren zeigte sich das Signal eines dritten Himmelskörpers von etwa der Masse des Jupiter. Unter normalen Umständen wäre ein solches Objekt ein Gasriese und damit ein Exoplanet, wie die Astronomen erklären. Doch ihre Neuentdeckung umkreist nicht den Zentralstern des -Systems, sondern den Braunen Zwerg. Damit besteht dieses Dreiergespann aus einem Zentralstern mit einem Braunen Zwerg als Trabanten, der wiederum selbst einen Trabanten besitzt.
Erster eindeutiger Nachweis eines Exosatelliten
„Sollte sich dieses Signal bestätigen, wäre dies unseres Wissens das erste Mal, dass ein solches hierarchisches System beobachtet wird“, erklären die Astronomen. Gleichzeitig lässt sich dieses Dreiergespann nur schwer in die aus unserem Sonnensystem bekannten Kategorien einordnen. „Der Exosatellit ist eindeutig massereich genug, um ein Planet zu sein. Er umkreist jedoch keinen Stern, sondern ein Objekt, das seinerseits einen Stern umkreist“, erklärt Hoy. Damit wäre das neu entdeckte Objekt eigentlich ein Mond.
„Dieses System ist wahrhaft einzigartig und stellt einen Durchbruch dar – den ersten plausiblen Nachweis eines Exosatelliten“, sagt Co-Autorin Alice Zurlo vom Millennium Nucleus of Young Exoplanets and their Moons (YEMS) in Santiago. Anders als frühere Exomond-Kandidaten wurde dieser Exosatellit mithilfe der Radialgeschwindigkeitsmethode nachgewiesen. „In unseren Daten sehen wir eine deutliche 170-Tage-Periodizität, die über der Schwelle der falsch-positiven Signale liegt. Das spricht für eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass dieses periodische Signal real ist“, berichten die Astronomen.
…aber ist er auch ein echter Mond?
Der neuentdeckte Trabant im Dreiersystem CD-35 272 könnte demnach der erste eindeutig nachgewiesene Exosatellit sein. Die große Frage ist jedoch: Ist dieser Gasriese wirklich ein Mond im engeren Sinne? Nach Definition der International Astronomical Union (IAU) wäre ein solches Objekt eigentlich ein Planet. „Sie sagt explizit, dass Objekte mit planetarer Masse, die Braune Zwerge umkreisen, Planeten sind“, erklären Hoy und seine Kollegen.
Allerdings berücksichtigt die IAU-Definition bisher nicht die hierarchische Position eines solchen Himmelskörpers – und für Exomonde gibt es bisher gar keine eigene Definition. Der Stern CD-35 272 und seine Begleiter demonstrieren nun, dass die in unserem Sonnensystem noch relativ einfache Unterscheidung zwischen Planeten und Monden anderswo im All weit weniger eindeutig zu treffen ist.
„Möglicherweise wäre es am besten, eine ganz neue Kategorie für Objekte wie den Trabanten von CD-35 2722 B zu schaffen“, konstatieren die Astronomen. In diese könnte man dann die Himmelskörper einordnen, die Braune Zwerge umkreisen. Eine solche Kategorie könnte spätestens dann benötigt werden, wenn demnächst noch leistungsfähigere Teleskope in Betrieb gehen, die möglicherweise noch mehr solcher Systeme aufspüren.
Quelle: Kevin Hoy (Universidad Diego Portales, Santiago, Chile) et al., Nature, 2026; doi: 10.1038/s41586-026-10751-w





