Ob Arschgeweih oder echte Körperkunst: Tätowierungen liegen im Trend – und das schon ziemlich lange. Bereits die Gletschermumie Ötzi schmückte sich vor 5000 Jahren mit rätselhaften Tattoos in Form von Strichen und Kreuzen. Später machten sich auch die Maya in Mittelamerika und die Maori in Neuseeland fein, indem sie Farbe unter die Haut brachten. Heute hat die Beliebtheit der Tätowierungen weltweit einen neuen Höhepunkt erreicht. In Deutschland zieren inzwischen fast jeden zehnten Körper Tinte und Farbpigmente, die unter die Haut gestochen wurden. Umso erstaunlicher ist, wie wenig noch immer über die Funktionsweise der Körperkunst bekannt ist: Was passiert mit Tattoo-Farben, wenn sie einmal im Organismus sind?
Lange Zeit dachte man, dass die Tinte Fibroblastenzellen in der Dermis der Haut einfärbt. Doch das scheint nicht zu stimmen, wie jüngste Forschungsergebnisse nahelegen. Demnach lagern sich die Pigmente stattdessen im Inneren von Makrophagen an. Diese Fresszellen des Immunsystems werden durch die beim Tätowieren entstehenden Verletzungen alarmiert und nehmen die fremden Partikel auf, ganz so, wie sie es auch mit Krankheitserregern oder abgestorbenem Zellmaterial machen würden. Weil Tattoos in der Regel für die Ewigkeit sind, bedeutet das auch: Bei den Makrophagen in der Dermis muss es sich um langlebige Zellen handeln. Denn sterben sie, verschwindet mit ihnen auch die Farbe. Oder doch nicht? Wissenschaftler um Anna Baranska von der Aix Marseille Université in Frankreich haben nun die Spur von Tattoo-Pigmenten im Körper verfolgt – und Erstaunliches festgestellt.
Erneuerung sichert Haltbarkeit
Für ihre Studie tätowierten die Forscher Mäusen den Schwanz mit bunten Streifen. Anschließend sorgten sie dafür, dass bei den genetisch veränderten Nagern sämtliche Makrophagen in der Dermis und in anderen Geweben abstarben. Was würde mit der Farbe unter der Haut passieren? Es zeigte sich: Die Tätowierung blieb erhalten – und das obwohl es nachweislich nur die Makrophagen waren, die die Pigmente zuvor aufgenommen hatten. Die Erklärung: Offenbar geben die Makrophagen die Farbpigmente an die Umwelt ab, wenn sie sterben. Im Laufe von wenigen Wochen werden sie dort von neuen, aus Vorläuferzellen entstandenen Makrophagen aufgenommen, die die verlorengegangenen Immunzellen in der Dermis ersetzen. Dieser Prozess läuft so schnell ab, dass sich die Pigmente noch nicht im gesamten Körper verteilt haben und beispielsweise über die Lymphflüssigkeit abtransportiert werden konnten.





