Der Autor findet ein „beständiges, ein kontinuierliches Experimentieren mit Formen und Problemen“. Eine Weile geht es zum Beispiel um Rollenkonflikte. Dann nötigt der Peloponnesische Krieg neue Fragen auf. Bald darauf sieht man die Konstruktion der Handlung auf die Selbstzerstörung des Helden hinauslaufen. Oder es wird die Zerstörung der Polis zum eigentlichen Thema. Hose spricht von „Versuchsanordnungen …, die immer wieder neue Facetten des Menschen ans Licht bringen“. Euripides habe, so Nietzsche, die Zuschauer auf die Bühne geholt: Sie fanden dort nichts als sich selbst und ihresgleichen. Bezüge zu Politik und intellektuellen Debatten der Zeit werden ebenso herausgearbeitet wie anthropologische Probleme der Griechen (Geschlechterrollen, Rache).
So ist ein sehr interessantes, nützliches Buch entstanden. Die Tragödien waren „Seismographen“, die die Erschütterungen Athens aufzeichneten. Vielleicht hätte man diesen Aufzeichnungen noch mehr Interesse schenken können. Entsprechend der Absicht des Buchs, die Dramen „einer Leserschaft des 21. Jahrhunderts vorzustellen, die nicht aus Philologen besteht“, werden verschiedene althistorische Voraussetzungen eigens dargelegt. Leider bleiben aber zahlreiche philologische Fachausdrücke unerläutert. Was ist zum Beispiel eine „amoibaische Klageszene“, was sind „daktyloepitritische Verse“?
Rezension: Meier, Chrsitian




