von Rüdiger Vaas
Als man das TV-Programm früher noch analog über eine Fernsehantenne empfing, konnte nach Sendeschluss jeder etwas vom Restlicht des Urknalls erhaschen: Zwar stammte der Großteil des Rauschens auf der Mattscheibe von irdischen Störquellen, doch ein Prozent wurde von der Kosmischen Hintergrundstrahlung erzeugt, die heutzutage im für uns Menschen unsichtbaren Mikrowellenbereich den gesamten Weltraum erfüllt. Vor etwa 13,8 Milliarden Jahren, bereits in den ersten Sekundenbruchteilen des Universums, begann diese Strahlung ihr Dasein als sichtbares Licht. Damit ist sie das älteste Leuchten im Kosmos und viel älter als das Licht der ersten Sterne. In ihr zeigt sich das Universum, wie es einst gewesen ist: dichter und heißer als das Zentrum der Sonne – und zwar überall.
In der frühen, superheißen Phase nach dem Urknall befand sich sämtliche Materie in einem Zustand, der als Plasma bezeichnet wird: Freie Elektronen und Atomkerne wirbelten wild durcheinander. Die Lichtteilchen wurden ständig an der Materie gestreut oder von ihr verschluckt und wieder ausgespien. Das Universum war damit trüb und undurchsichtig. Doch dieser Zustand war nicht von Dauer. Aufgrund der Ausdehnung des Weltraums nahm die Temperatur des Kosmos ständig ab. Bei ungefähr 4000 Grad Celsius konnten die Atomkerne freie Elektronen an sich binden. Die ersten Atome bildeten sich, der größte Teil davon Wasserstoff. Dadurch bekamen die Lichtteilchen freie Bahn – das Universum wurde durchsichtig. Das geschah etwa 380 000 Jahre nach dem Urknall, also lange bevor die Sterne und Galaxien entstanden sind.
Inzwischen, 13,8 Milliarden Jahre später, hat die kosmische Expansion den Weltraum auf rund minus 270 Grad Celsius abgekühlt – und die Wellenlänge des ersten Lichts in den Millimeter- und Zentimeterbereich verschoben. Sehen können wir diese Strahlung daher nicht mehr. Doch noch immer durchfluten etwa 410 Photonen aus dem Feuerballstadium des frühen Universums jeden Kubikzentimeter des Weltraums. Dieses Relikt kündet also noch heute vom heißen Ursprung des Alls.
Botschaft vom Urknall
Lange bevor die Hintergrundstrahlung beobachtet wurde, haben Physiker ihre Existenz schon vorausgesagt. Das geschah zwischen 1948 und 1950 in den USA an der Johns Hopkins University in Baltimore. Damals dachte George Gamow über die Entstehung der chemischen Elemente im frühen Universum nach. Er mutmaßte mit Ralph Alpher und Robert Hermann, dass aus der heißen Urzeit eine Strahlung übriggeblieben sei. Die Temperatur wurde auf 5 Grad Kelvin über dem absoluten Nullpunkt geschätzt, in weiteren Arbeiten gaben sie Werte zwischen 3 und 50 Grad Kelvin an. Die Rechnungen waren grob und teilweise fehlerhaft, aber die Grundidee stellte sich später als richtig heraus.





