Aber manchmal juckt die Haut auch scheinbar grundlos, besonders häufig an Kopf, Arm oder Rücken. Lange Zeit nahmen Wissenschaftler an, das sei eine Art milder Schmerzreiz, doch heute weiß man, dass es sich um eine eigenständige Sinneswahrnehmung handelt. Denn Schmerz- und Juckreiz werden über getrennte Nervenfasern ins Zentralnervensystem geleitet, wobei sie sich wechselseitig beeinflussen. Das belegt schon die Tatsache, dass sich das Jucken bei bestimmten Krankheiten – etwa bei Neurodermitis oder Nesselsucht, aber auch nach einem Insektenstich – ins Unerträgliche steigern kann, ohne dass die Empfindung in ein Gefühl heftigen Schmerzes umschlägt. Umfangreiche wissenschaftliche Experimente des Neurologen Hideki Mochizuki von der Universität Osaka haben das bestätigt: Bei Probanden wurde auf elektrischem Weg ein Juckreiz ausgelöst und dessen Stärke immer mehr gesteigert, ohne dass die Juckempfindung in echten Schmerz übergegangen wäre. Auch unser Verhalten ist bei Juckreiz anders als bei Schmerzen: Tut etwas weh, versuchen wir reflexartig, der Schmerzquelle zu entkommen. Juckt es dagegen, fangen wir unwillkürlich an zu kratzen.





