Drei Gefäße aus weißem Porzellan mit Emailbemalung sollen die These beweisen. Sie, die in Burghley House bei Stamford im mittelenglischen Lincolnshire aufbewahrt werden, sind einwandfrei zu datieren, denn sie sind in einer Schenkungsurkunde von 1683 erwähnt. Technische Analysen am Imperial College in London und vom British Museum hätten erwiesen, dass es sich nicht, wie man lange dachte, um emaillierte Glasgefäße, sondern um solche aus Hartporzellan handelt. Keramikforscher stellen eine Verbindung der kostbaren Vasen zum Herzog von Buckingham und der von ihm betriebenen Glas‧hütte im Londoner Stadtteil Vauxhall her. Auf jeden Fall, so die Experten, stammten die Gefäße nicht aus Japan. Ostasiatische Porzellane bestehen aus Weichporzellan, das eine andere Zusammensetzung von Kaolin, Feldspat und Quarz besitzt als das Hartporzellan.
Heftiger Widerspruch hat sich in Dresden gegen die Engländer geregt. Kunsthistoriker und Materialforscher der Bergakademie Freiberg sowie des Forschungszentrums Dresden-Rossendorf haben sich mit dem englischen Bericht auseinandergesetzt. Für die Sachsen gilt Böttger auch weiterhin als Erfinder des Hartporzellans. Allenfalls könnte auch andernorts Porzellan unter der zufälligen Verwendung von Kaolin, dem Grundlagenmaterial zur Produktion von Porzellan, hergestellt worden sein. Vor allem aber sei noch nicht bewiesen, dass es sich bei den Burghley-Vasen überhaupt um eine englische Produktion und nicht um chinesisches Exportporzellan handele, das in Europa mit Emailfarben bemalt worden sei. Die deutschen Forscher sind deshalb skeptisch, weil die chemische Analyse (Ionen- bzw. Elektronenstrahlanalyse) von Meißener Porzellan deutlich von den englischen Ergebnissen abweicht, insbesondere beim Gehalt von Aluminiumoxid. Dagegen ähnelten Untersuchungen an chinesischen und japanischen Porzellanen verblüffend den englischen Ergebnissen.
Dr. Heike Talkenberger




